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Gedankenwelt Wenn Du weißt wie schwer ein Gedanke ist, dann weißt Du auch wie leicht deine Sorgen sind

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heini65
Administrator
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Anmeldungsdatum: 21.06.2010
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Verfasst am:
20.08.2010, 10:40 |
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Die Verhaftung Oswalds
Wenige Minuten nach dem Mord gab die Polizei eine Personenbeschreibung des mutmaßlichen Attentäters durch. Die Herkunft gezielter Verdachtsmomente und deren Begründung, bezogen auf eine bestimmte Person innerhalb dieses Fahndungsaufrufes, sind bis heute ungeklärt. Wie sich später herausstellen sollte, handelte es sich bei dem Gesuchten um den 25-jährigen Lee Harvey Oswald, der sich öffentlich als Marxist-Leninist bezeichnet, mehrere Jahre in der Sowjetunion gelebt hatte und seit dem 15. Oktober 1963 im Schulbuchlager einer Gelegenheitsarbeit nachging.
Laut Warren-Report war Oswald um 13:00 Uhr in seine Mietwohnung zurückgekehrt.[5] Um 13:04 Uhr hatte Oswald seine Wohnung bereits wieder verlassen und wartete an der Beckley-Avenue-Bushaltestelle, deren Buslinie in nördliche Richtung führt.[6] Nach offiziellen Angaben wurde Oswald jedoch zu Fuß zwischen 13:06 Uhr und 13:10 Uhr vom Polizisten J. D. Tippit in Oak Cliff, einem Wohngebiet von Dallas, das in südlicher Richtung und 15 Gehminuten[8] von der Bushaltestelle entfernt liegt, gestellt. Weil angeblich die Beschreibung des Gesuchten auf Oswald zutraf, hielt Tippit Oswald an. Vier Augenzeugen berichteten, wie Oswald Tippit nach einem kurzen Wortwechsel mit drei Schüssen aus einem Trommel-Revolver der Firma Smith & Wesson, Kaliber .38, niedergestreckt habe. Dann habe Oswald dem auf dem Boden liegenden Tippit in den Kopf geschossen. Bei seiner anschließenden Flucht habe Oswald seine Jacke ausgezogen und zurückgelassen. Die Aussagen der Zeugen waren teilweise widersprüchlich. Ebenso gibt es Augenzeugen, die Oswald als Schützen auf Tippit überhaupt nicht identifizierten, obwohl sie dem Geschehen von allen Zeugen am nächsten waren.. Eine ballistische Untersuchung ergab, dass zumindest einer der vier Schüsse auf Tippit aus dem Oswald zugeordneten Revolver abgegeben worden war. Andere Zeugen berichteten über die weitere Flucht des mutmaßlichen Täters, einige verfolgten ihn sogar. Die Polizei wurde auf ein Kino, das Texas Theatre in Oak Cliff, einem Stadtteil von Dallas, aufmerksam gemacht, in dem Oswald ohne Gegenwehr festgenommen wurde.
In der Zwischenzeit hatte die Polizei das Schulbuchdepot durchsucht und im sechsten Stock unter Bücherkisten versteckt ein Repetiergewehr mit Zielfernrohr gefunden. Officer und Waffenexperte Seymour Weitzman identifizierte die aufgefundene Waffe eindeutig als ein deutsches Präzisionsgewehr der Marke Mauser 7.65 mm. Die Deputy Sheriffs Roger Craig und Eugene Boone kamen zweifelsfrei zum selben Ergebnis. Roger Craig erkannte deutlich den im Metall eingravierten Schriftzug „Mauser“. Eugene Boone gab dazu eine eidesstattliche Erklärung ab, in der er die Waffe als Mauser identifizierte. Diese Information der Polizei gab der Bezirksstaatsanwalt von Dallas, Henry Wade, somit an die Medien weiter, die darüber ausführlich berichteten. Ebenso wurden drei leere Patronenhülsen gefunden. Einen Tag später revidierte die Polizei die Angaben zur Tatwaffe und teilte mit, dass es sich um ein Repetiergewehr der Marke Mannlicher-Carcano handele. Fingerabdrücke Oswalds wurden auf dieser Waffe durch das FBI-Labor in Washington nicht gefunden. Nachdem das FBI die Waffe wieder an die Polizei von Dallas zurückgegeben hatte, meldete diese später jedoch, dass sie einen „Handflächenabdruck Oswalds gefunden“ hätten. Die Kugel, die angeblich in Conallys Oberschenkel stecken geblieben war und später auf dessen Krankenhaustrage aufgefunden wurde, passte offiziellen Angaben zufolge zu ihrem ballistischen Profil. Dem zuerst genannten und von der Polizei sichergestellten deutschen Präzisionsgewehr der Marke Mauser wurde schließlich keine Bedeutung mehr beigemessen.
Das Mannlicher-Carcano-Gewehr und den Revolver hatte Oswald in den Monaten zuvor unter dem falschen Namen Alek Hidell auf Postfächer in New Orleans und Dallas bestellt. Es war, wie sich später herausstellte, dieselbe Waffe, mit der bereits am 10. April 1963 ein missglücktes Attentat auf Edwin Walker verübt wurde, einen rechtsgerichteten General a. D., der Mitglied der John Birch Society war und im Jahr zuvor vergeblich bei den texanischen Gouverneurswahlen kandidiert hatte.
Oswald wurde durch das FBI und die Polizei von Dallas in deren Hauptquartier zwölf Stunden lang unter irregulären Umständen ohne Rechtsbeistand vernommen. Die Aussagen Oswalds wurden entgegen den Vorschriften nicht protokolliert, eine Tonbandaufzeichnung fand ebenfalls nicht statt. Außerdem hatte die Presse weitgehend freien Zutritt, da Polizeichef Jesse Curry befürchtete, dass die Öffentlichkeit andernfalls vermuten würde, man habe etwas zu vertuschen. Nicht nur die Beamten, auch Oswald hatte die Gelegenheit, vor Presse und Fernsehkameras zu sprechen. Hier wie auch bei den Vernehmungen stritt er jede Verwicklung in die Morde an Kennedy und Tippit ab und rief: „Ich bin nur ein Sündenbock!“ („I'm just a patsy!“).
Die Ermordung Oswalds
Jack Ruby erschießt Lee Harvey OswaldWeil zu befürchten war, dass man bei weiterer intensiver Berichterstattung der Presse über Oswald keine unvoreingenommenen Geschworenen mehr finden könne, die noch nichts über den Fall wussten, wurde beschlossen, Oswald ins Bezirksgefängnis von Dallas zu überstellen. Obwohl es bereits Morddrohungen gegen Oswald gegeben hatte, wurde der Termin mit der gleichen Großzügigkeit gegenüber der Presse bekannt gegeben wie die ersten Verhöre. Der Transfer verzögerte sich jedoch, weil das ursprünglich dafür vorgesehene Fahrzeug zu klein war, um auch die Wachen aufzunehmen, und durch Oswalds Bitte, seinen Pullover mitnehmen zu können. Am 24. November 1963 um 11:21 Uhr betrat Oswald mit seinen Wachen schließlich die Garage im Tiefgeschoss des Polizeihauptquartiers, fast genau gleichzeitig mit Jack Ruby, einem Nachtclub-Besitzer aus Dallas mit Verbindungen zur Cosa Nostra, der wenige Augenblicke zuvor ins Gebäude gelangt war. Mit den Worten: „Du hast meinen Präsidenten getötet, du Ratte“, feuerte Ruby vor laufenden Fernsehkameras auf ihn. Oswald wurde mit Bauchschuss ins Parkland Memorial Hospital gebracht, wo er kurz darauf an inneren Blutungen starb.
Jack Ruby wurde im März 1964 wegen Mordes zum Tode verurteilt. Er starb im Januar 1967 an Krebs im Parkland Memorial Hospital, wo auch Kennedy und Oswald gestorben waren. Ruby selbst machte über seine Motive unterschiedliche Angaben. Kurz nach seinen Schüssen auf Oswald soll er nach Zeugenaussagen erklärt haben, er habe geschossen, um der von ihm verehrten Jackie Kennedy eine Zeugenaussage im Prozess zu ersparen, und weil er als Jude den Verdacht entkräften wollte, hinter der Ermordung des Präsidenten stecke eine jüdische Verschwörung: Die Anzeige eines „Ermittlungsausschusses“ gegen Kennedy war mit einem jüdisch klingenden Namen unterschrieben..
Grab von John F. Kennedy auf dem Nationalfriedhof ArlingtonEin Jahr nach seiner Verurteilung deutete Ruby in einem Fernsehinterview dagegen an, dass er selbst das Opfer einer Verschwörung sei:
„Die Welt wird niemals die wahren Tatsachen erfahren: mit anderen Worten, meine wahren Motive. … Unglücklicherweise werden diese Leute, die so viel zu gewinnen haben und ein starkes Motiv hatten, mich in diese Lage zu bringen, in der ich bin, niemals zulassen, dass die wahren Tatsachen ans Tageslicht der Welt kommen.“
In der Folgezeit vertrat Ruby immer wieder die paranoide These, Ziel dieser Verschwörung sei es, die amerikanischen Juden als Schuldige am Tod Kennedys darzustellen und so einen Vorwand für einen neuen Holocaust zu schaffen. Noch auf dem Sterbebett betonte er, am Mord an Oswald sei er ganz allein verantwortlich.: Nach Aussage seines Bruders Earl wollte er alles tun, „sodass die Menschen überzeugt werden, dass es von seiner Seite keinen Plan gab, keine Verschwörung irgendeiner Art. Es gibt nichts zu verbergen, es gab niemanden sonst“.
Untersuchungen
CIA-interne Untersuchung
Als die Staatsanwaltschaft von Dallas am Tag der Tat bekannt gab, Oswald habe den Präsidenten erschossen, begann die CIA sofort mit einer Überprüfung ihrer Erkenntnisse über den Verdächtigen, der 1959 die sowjetische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, 1962 repatriiert worden war und kürzlich beim Betreten der kubanischen und sowjetischen Botschaften in Mexiko beobachtet worden sein soll. Innerhalb der CIA wurde der Ermittler John Whitten mit der weiteren Untersuchung beauftragt. Der sich übergangen fühlende James Jesus Angleton glaubte an ein Komplott des sowjetischen Staatschefs Nikita Chruschtschow und blockierte Whittens Untersuchungen. Das FBI kooperierte ebenfalls nicht. Der KGB-Überläufer Yuri Nosenko widersprach einer Verwendung Oswalds durch das KGB. Richard Helms, damaliger Leiter für klandestine Aktivitäten und späterer CIA-Chef, äußerte, der Mord sei entweder das Werk eines Verwirrten mit einem billigen Gewehr und einem 7-Dollar-Zielfernrohr, oder die Wahrheit sei viel schrecklicher. Der Whitten-Bericht wurde dem neuen Präsident Johnson vorgelegt, der ihn jedoch vernichtete. Johnson wurde aus Kreisen des Justizministeriums nahegelegt, den Mord durch eine unabhängige Kommission untersuchen zu lassen. Nachdem Johnson den Vorschlag abgelehnt hatte, stellte er die Warren-Kommission zusammen. Die damals geheimen Erkenntnisse Nosenkos wurden der Warren-Kommission mitgeteilt, durften
Die Warren-Kommission
Die Warren-Kommission (offizieller Name: Kommission des Präsidenten über die Ermordung von Präsident Kennedy) wurde auf Initiative Justizminister Nicholas deB. Katzenbach von Kennedys Amtsnachfolger Johnson am 29. November 1963 einberufen, um die Umstände des Attentats zu untersuchen. Sie ist nach ihrem Vorsitzenden Earl Warren benannt, der damals Oberster Richter am Supreme Court war.
Die Kommission umfasste neben Warren sechs Mitglieder:
Senator John Sherman Cooper (Republikaner),
Allen Welsh Dulles, ehemaliger Direktor der CIA, von Kennedy entlassen wegen der misslungenen Invasion in der Schweinebucht,
Gerald Ford (Republikaner, späterer US-Präsident),
Hale Boggs (Demokrat),
Senator Richard B. Russell (Demokrat), Vorsitzender des Streitkräfte- und des Geheimdienste-Ausschusses, Johnsons Mentor,
John Jay McCloy, ehemaliger stellvertretender Kriegsminister und Präsident der Weltbank.
Die Warren-Kommission tagte nur selten und setzte sechs Unterkommissionen ein. Nach zehnmonatiger Arbeit, die sich auf die Ermittlungsergebnisse der Polizei von Dallas und des FBI stützte, wurde am 27. September 1964 der über 850 Seiten starke Abschlussbericht, der so genannte „Warren-Report“ veröffentlicht (offiziell: Report of the President's Commission on the assassination of President John F. Kennedy). Mehr als 600 Zeugen waren befragt, etwa 3000 Beweisstücke sichergestellt worden. Beigefügt waren 26 Bände mit Protokollen und Beweisstücken.
Der Warren-Report kam zu dem Ergebnis, dass Oswald der alleinige Täter sei und es keine Verschwörung gegeben habe. Oswald habe drei Schüsse aus dem fünften Stock ( = sixth floor sic.) des Schulbuchdepots auf die sich entfernende Präsidentenlimousine abgegeben. Der erste Schuss sei fehlgegangen. Der zweite Schuss habe von hinten sowohl Kennedys Hals als auch den vor ihm sitzenden Gouverneur Connally getroffen. Die Bleikugel habe Conallys Rücken und rechten Unterarm durchschlagen und sei in seinem linken Oberschenkel fast unbeschädigt stecken geglieben (die so genannte Magic Bullet (Zauberkugel). Diese Behauptung des Warren-Report (single bullet theory) hatte besonders zu den Zweifeln beigetragen. Die dritte, tödliche Kugel habe Kennedys Kopf getroffen. Außerdem sei Oswald für den Tod des Streifenpolizisten Tippit verantwortlich. Am Morgen des 22. November habe er seine Arbeit um 8:00 Uhr im Schulbuchlager aufgenommen und eine längliche braune Tüte dabeigehabt, in der er angeblich Gardinenstangen transportiert habe. Oswald sei nach dem Attentat unter anderem dadurch aufgefallen, dass er bereits nach drei Minuten den Tatort verlassen habe. Der Warren-Report behauptet auch, dass es keines Meisterschützen bedürfe, um mit einem veralteten Karabiner des 2. Weltkriegs innerhalb von 4,8 bis maximal sieben Sekunden drei Schüsse durch eine Baumgruppe hindurch mit einer Entfernung von 60m, 80m und 88m auf ein fahrendes Ziel abzugeben und dabei zweimal zu treffen. Hinter der Ermordung Oswalds am Sonntag dem 24.11 1963, also 2 Tage nach dem Attentat konnte die Kommission ebenfalls keine Verschwörung erkennen. Der Nachtklubbesitzer Jack Ruby habe spontan und allein gehandelt. Der Warren-Report kritisierte die offenkundigen Schwachstellen im Personenschutz des Präsidenten, die Anlass gaben, ihn in der Folgezeit deutlich zu verbessern.
Der Warren-Report blieb für viele Zeitgenossen unbefriedigend. Vor allem die Geschichte der von Kritikern so genannten „magischen Kugel“, die zu sieben Verletzungen an Kennedy und Connally geführt haben soll, ohne dabei nennenswert verformt worden zu sein, stieß auf verbreiteten Unglauben. Es wurde auch bald bekannt, dass die Kommission Indizien, die auf mehr als nur einen Täter deuteten, gar nicht verfolgt hatte. Keine der Unterkommissionen hatte sich mit der eigentlichen Kernfrage befasst, wer den Präsidenten denn erschossen habe. Vielmehr war die Alleintäterschaft Oswalds die Vorgabe ihrer Untersuchungen, die mit inquisitorischen Methoden nur noch festgeschrieben werde.
Johnson, der an eine kubanische Verschwörung gegen Kennedy glaubte, hatte Warren und Dulles angewiesen, lediglich die Alleintäterschaft Oswalds zu belegen. Würde diese Verschwörung publik, könne ein Krieg unvermeidlich werden:
„Wenn gewisse Gerüchte nicht zum Verstummen gebracht werden, könnten sie die Vereinigten Staaten in einen Krieg hineinziehen, der das Leben von vierzig Millionen kosten könnte“,
soll der Präsident zu Warren gesagt haben. Und kurz vor seinem Tod äußerte er gegenüber dem Journalisten Howard K. Smith: „Kennedy versuchte, Castro zu erwischen, aber Castro erwischte ihn zuerst“. 1993 veröffentlichte die Zeitschrift Newsweek ein Memorandum Katzenbachs, das den eng gefassten politisch-psychologischen Auftrag der Kommission umriss:
„Das öffentliche Vertrauen muss dahingehend befriedigt werden, dass Oswald der Mörder war, dass er keine Bundesgenossen hatte, die immer noch auf freiem Fuß sind. … Spekulationen über Oswalds Motivation sollten nicht zugelassen werden.“
Die Ermittlung von Staatsanwalt Jim Garrison
Ausgehend von diesen Unstimmigkeiten und Mängeln des Warren-Reports begann der Staatsanwalt Jim Garrison aus New Orleans im Herbst 1963 mit eigenen Untersuchungen. Er kam zu dem Ergebnis, Kennedy sei Opfer einer Verschwörung aus dem Umfeld der CIA geworden. Verwickelt seien Oswald, der Pilot David Ferrie, bei dem Oswald in seiner Jugend eine vormilitärische Ausbildung absolviert hatte, und Clay Shaw, ein undurchsichtiger Geschäftsmann, von dem Garrison (wie sich 1979 herausstellte: zu Recht) annahm, er arbeite für die CIA.
Garrison ließ Shaw am 1. März 1967 verhaften und behielt ihn bis zum Prozessbeginn knapp zwei Jahre später in Untersuchungshaft. Eine Reihe der von Garrison gesammelten Indizien ließ die Vermutung zu, Oswald sei indirekt im Auftrag der CIA tätig gewesen, in einer inoffiziellen Gruppe, der auch sein Mörder Ruby angehörte. Garrison und seine Beamten hatten auch mehrere, auf den ersten Blick Oswald belastende Begebenheiten untersucht und fanden Indizien für die Annahme, dass ein falscher Oswald diese Spuren gelegt hatte. Garrison führte während des Prozesses den Zapruder-Film zum ersten Mal öffentlich vor, der zwar der Warren-Kommission vorgelegen hatte, der Öffentlichkeit aber nur in einigen Einzelbildern bekannt war, die die Zeitschrift LIFE veröffentlicht hatte. Im Film sieht man, dass Kennedys Kopf beim tödlichen Schuss nach hinten schnellt, obwohl der angebliche Schütze doch hinter ihm vom Schulbuchdepot und nicht vor ihm vom Grashügel geschossen haben soll.
Der Weg, den die „magische Kugel“ nach Darstellung Garrisons hätte nehmen müssen
Auch stellte Garrison die Theorie der magischen Kugel der Warren-Kommission als abstrus hin. Nach dieser Theorie hätte seiner Darstellung zufolge ein Kupfermantel-Geschoss mehrere Knochen und Gewebeteile mehrerer Personen durchschlagen, dabei mehrfach die Richtung ändern und in nahezu fabrikneuem Zustand ohne Anhaftungen von Blut und Gewebeteilen bleiben können, was ohne Verletzung grundlegender physikalischer Gesetze nicht möglich sei. Garrisons Anklage wurde zudem durch mehrere Zeugen gestützt, die aussagten, sie hätten Oswald zusammen mit Shaw oder Ferrie gesehen oder gar gehört, wie sie bei einer Party über den geplanten Mord sprachen.
Garrisons Position vor Gericht war geschwächt, weil sein Zeuge David Ferrie zwei Jahre vor Prozessbeginn an einem geplatzten Hirn-Aneurysma verstorben war, kurz nachdem er bei ihm um Personenschutz nachgesucht hatte. Zudem wurde bekannt, dass der zweite Hauptzeuge seine Aussagen unter Einfluss von Hypnose und dem Schlafmittel Thiopental gemacht hatte.[42] Die Geschworenen kamen am 29. Januar 1969 zu dem einstimmigen Ergebnis, dass Shaw nicht schuldig im Sinne der Anklage gewesen sei. Auf Garrisons Ermittlungen und dem Prozess basiert Oliver Stones Film JFK – Tatort Dallas.
Der Ausschuss von Ramsey Clark
1968 befasste sich ein Ausschuss unter dem Vorsitz des damaligen Justizministers Ramsey Clark mit den medizinischen Befunden des toten Präsidenten. Der Ausschuss kam zu dem Ergebnis, dass Aufbewahrung und Herkunft der ihm vorgelegten Beweisstücke nicht immer lückenlos dokumentiert waren, bestätigte aber dennoch auf ihrer Grundlage die Ergebnisse der Warren-Kommission, wonach Kennedy von zwei Kugeln getötet worden sei, die von einem hinter und oberhalb von ihm gelegenen Standpunkt aus abgefeuert worden sein müssten.
House Select Committee on Assassinations (HSCA)
Weil die Verschwörungstheorien über Mordanschläge gegen Kennedy, seinen Bruder Robert Kennedy und gegen Martin Luther King nicht zum Schweigen gebracht worden waren, wurde 1976 ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses mit weiteren Nachforschungen betraut, das House Select Committee on Assassinations (HSCA). Nach dreijähriger Arbeit legte es 1979 einen Bericht vor, der die Ermittlungen des FBI und den auf ihnen basierenden Warren-Report als „grob fehlerhaft“ (engl.: seriously flawed) kritisierte. Als Ursache für diese Fehler benannte der Bericht die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Geheimdienste sowie „Zeitdruck und der Wunsch der nationalen Führer, die Befürchtungen der Öffentlichkeit zu beschwichtigen, es habe eine Verschwörung gegeben“.
Das Komitee bestätigte zwar die Ergebnisse der Warren-Kommission, wonach Oswald dreimal auf Kennedy geschossen und ihn mit dem dritten Schuss getötet habe. Es erklärte es aber für sehr wahrscheinlich, dass es noch einen weiteren, unidentifizierten Schützen gegeben habe, der einen vierten Schuss vom Grashügel an der Dealey Plaza abgegeben, aber daneben geschossen habe. Hinter dem Kennedy-Attentat stecke also eine „Verschwörung“ (das englische Wort conspiracy ist in diesem Zusammenhang gleichbedeutend mit der kriminellen Vereinigung des deutschen Strafrechts). Die Komitee-Mitglieder konnten aber nicht angeben, wer darin verwickelt war. Auf Grundlage der ihnen vorliegenden Indizien kamen sie zu dem Schluss, dass weder die sowjetische noch die kubanische Regierung noch das FBI in den Mord verwickelt waren. Eine Verwicklung der Mafia oder von Castro-feindlichen Exilkubanern sei allerdings nicht auszuschließen.
Grundlage für die Annahme eines zweiten Schützen waren Aufzeichnungen des Funkkontaktes eines Motorradpolizisten in Kennedys Eskorte mit einer Polizeistation, die mit einem DictaBelt-Kunststoffband gemacht worden waren. Auf der Aufzeichnung sind keine unmittelbaren Schüsse zu hören, die Ermittler verglichen vielmehr die Impulsmuster der Aufzeichnung mit solchen, die mit einem typgleichen Gewehr gemacht worden waren, und kamen zu dem Schluss, dass mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein vierter Schuss zu hören sei.
Der Prüfungsausschuss für Attentatsdokumente
Im Herbst 1964 hatte Präsident Johnson angeordnet, dass die Akten der Warren-Kommission für 75 Jahre (d. h. bis 2039) gesperrt werden sollten. 1992 beschloss dagegen der Kongress ein Gesetz, wonach alle Akten mit Bezug auf das Attentat auf Kennedy spätestens 2017 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müssen. Dies geschah nach Oliver Stones Verfilmung des Garrison-Prozesses, der die Kritik an der Geheimhaltung neu entflammte. Bis 1998 sammelte und veröffentlichte ein „Ausschuss zur Sichtung der Morddokumente“ (engl.: Assassination Records Review Board; kurz: ARRB) etwa 400.000 Blatt an Dokumenten. Ein Großteil der Akten vor allem des HSCA, der Polizeibehörden, der Geheimdienste und des Militärs gelten aber weiterhin als geheim und bleiben für die Öffentlichkeit gesperrt. Das ARRB, dessen Aufgabe lediglich die Zugänglichmachung der Akten war, führte dennoch mehrere Untersuchungen durch und kritisierte in einem Bericht, ähnlich wie der Clark-Ausschuss, vor allem den schlampigen Umgang mit Dokumenten und Beweisstücken aus der Obduktion des Präsidenten, die als regelrechte „Tragödie“ bezeichnet wurde.
Zweifel an der offiziellen Darstellung
An der offiziellen Darstellung des Mordes an Kennedy, an der Alleintäterschaft Oswalds, an dessen Motiven sowie an den Motiven von dessen Mörder Ruby wurden immer wieder Zweifel geäußert. Daraus wurden auch eine Reihe von Theorien entwickelt, wie eine Verschwörung aufgebaut und motiviert gewesen sein könnte.
Tatverdächtiger Oswald
Der Tatverdächtige Oswald war beim Betreten des Lagerhauses gesehen worden, wie er einen in Papier eingewickelten Gegenstand trug. Auf das Paket angesprochen, hatte er gesagt, es handele sich um eine Gardinenstange. Das Papier fand sich im Lagerhaus, nicht aber eine Gardinenstange. Der Verdacht gegen Oswald wurde erhärtet, nachdem man ihm auch den Mord an Tippit zur Last gelegt hatte. Auf der angeblichen Tatwaffe wurde ein Handabdruck Oswalds gefunden. Zudem existiert ein Foto, auf dem Oswald mit der angeblichen Tatwaffe zu erkennen war.
Gegen die Annahme einer Täterschaft Oswalds wird eingewandt:
Oswald hatte stets die Ermordung Kennedys abgestritten und war nur zwei Tage später selbst ermordet worden. Eine gerichtliche Untersuchung war mithin nicht mehr möglich.
Schon wenige Minuten nach dem Attentat wurde Oswald zur Fahndung ausgeschrieben, wobei ungeklärt ist, woher man zu diesem Zeitpunkt bereits von Oswalds angeblicher Täterschaft wissen konnte.
Ein Nitrattest, mit dem man Schmauchspuren am Körper hätte nachweisen können, verlief negativ.
Nur anderthalb Minuten nach den Schüssen wurde Oswald im Erdgeschoss des Schulbuchdepots gesehen, als er eine Cola trank. Nach Zeugenaussagen machte er dabei keinen atemlosen Eindruck.
Nach der Version der Warren-Kommission hätte er innerhalb von anderthalb Minuten aus dem sechsten Stockwerk die tödlichen Schüsse abfeuern, dann die Treppe ins Untergeschoss rennen, dort eine Cola bestellen und diese trinken müssen, ohne außer Atem gekommen zu sein.
Auf einem Foto, das am 14. Dezember 1963 in der Dallas Post veröffentlicht wurde, ist ein Mann, der Oswald zumindest ähnelt, zum Zeitpunkt des Attentats an der Tür des Schulbuchdepots zu sehen. Das Foto stammt von James Altgens, der die Präsidentenlimousine von vorn rechts fotografierte und so ebenfalls das Schulbuchdepot ablichtete. Bei dem vermeintlichen Oswald soll es sich um Billy Lovelady handeln, einen Kollegen Oswalds.
Die Akte aus der Dienstzeit Oswalds bei den Marines wurde im Jahre 1973 vernichtet.
In den Ermittlungen selbst kamen wenig Zweifel auf, dass Oswald auf den Präsidenten geschossen habe. Intensiv verfolgt wurde dagegen die Frage, ob er allein gehandelt habe oder ob weitere Schützen beteiligt gewesen seien:
„Ein Schütze“
Zeugenaussagen und Indizien, die für einen Einzelschützen sprechen:
Einige Wunden, die Kennedy und Gouverneur Connally erlitten, und die Position des Fahrzeugs beim Zeitpunkt der Schüsse deuten darauf hin, dass Kugeln von oben und hinten abgegeben wurden.
Eine vergleichende Analyse der chemischen Zusammensetzung des Bleimantels, die das FBI hier erstmalig anwandte, ergab, dass sowohl die Kugel, die auf Connallys Trage im Parkland Memorial Hospital gefunden wurde, als auch die Kugelfragmente, die sich in der Präsidenten-Limousine fanden, zum aufgefundenen 6,5-Millimeter-Mannlicher-Carcano-Gewehr gehörten. Es wurden keine Spuren von Munition anderer Waffen gefunden. Die dabei angewandte Methode wurde aber 2004 von der National Academy of Sciences als unzuverlässig und potentiell irreführend beurteilt.
Die Windschutzscheibe in der Limousine war von einem Kugelfragment auf der Innenseite angeschlagen worden, woraus geschlossen werden kann, dass diese Fragmente von hinten und nicht von vorne kamen.
„Mehrere Schützen“
Zeugenaussagen und Indizien, die auf das Vorhandensein mindestens eines weiteren Schützen hindeuten:
Über fünfzig Zeugen, darunter Abraham Zapruder, sagten aus, sie hätten Schüsse gehört, die von vorne abgegeben wurden, nämlich von dem Grashügel an der Dealey Plaza. Ungefähr dieselbe Anzahl von Zeugen sagte, dass die Schüsse von hinten abgegeben wurden, also von dem Schulbuchdepot. Viele Zeugen gaben an, sie hätten hinter dem Zaun auf dem Grashügel Rauch aufsteigen sehen. U.a. wurden Polizisten dabei beobachtet, wie sie sofort nach den Schüssen auf den Grashügel zuliefen.
Der Zapruder-Film zeigt den tödlichen Kopftreffer, bei dem sich Kennedys Kopf schräg nach links hinten bewegt. Das deutet darauf, dass die Kugel von rechts vorne kam, also etwa aus Richtung des Grashügels. Ein hinter Kennedy fahrender Motorradpolizist und andere Zeugen sagten aus, dass der Schuss von vorne gekommen sei.
Einige Zeugen berichteten, sie hätten zwei Schüsse nahezu gleichzeitig gehört, obwohl das Nachladen beim fraglichen Gewehr rund zwei Sekunden dauert.
Da Eintrittswunden kleiner als Austrittswunden zu sein pflegen, kamen mehrere Ärzte des Parkland Memorial Hospital zu dem Schluss, dass die Kugel von vorne Kennedys Hals durchschlagen habe und neben dem rechten Schulterblatt wieder ausgetreten sei. . Bei der Obduktion in Washington konnte eine Sonde von der größeren Wunde am Rücken bis über die zweite Wunde am Kehlkopf hinaus bewegt werden . Auch die Größe der Hinterkopfwunde, die von Zeugen beschrieben wurde, legt nahe, dass es sich um eine Austrittswunde handelt.
Während der Autopsie wurde eine weitere, nur fingertiefe und abwärts gerichtete Einschusswunde in der rechten Schulter entdeckt, die keinen Ausgang hatte und in der keine Kugel steckte. Das dazu gehörende Projektil sei laut Aussagen von Zeugen beim Anheben des Leichnams herausgefallen. Dies würde zu dem Ergebnis der Auswertung von Film- und Fotomaterial durch den Photospezialisten Robert J. Groden passen, Kennedy sei insgesamt von fünf Kugeln getroffen worden, drei bis vier weitere Schüsse seien fehlgegangen. Die Schüsse seien von mindestens vier Schützen abgegeben worden. Hierzu passt auch, dass kurz nach dem Attentat von einem Polizisten eine Kugel gefunden wurde. Fundort: im Gras neben einem Gullydeckel dicht beim Tatort. Zeitungsreporter und Fotografen hatten ihre Existenz dokumentiert. In der Ausgabe des Dallas Times-Herald vom 23. November 1963 und in der Zeitschrift New Republik wurde davon berichtet. "Die Kugel taucht nie wieder auf und es findet sich auch kein Bericht darüber in der offiziellen Gerichtsakte."
Zeugen berichten von Männern, die nach den Schüssen vom Grashügel zum nahe gelegenen Rangierbahnhof liefen. Verfolgende Zeugen wurden dort von Männern zurückgewiesen, die sich als zum Secret Service gehörig auswiesen. Auf dem Güterbahnhof wurden angebliche Landstreicher in einem Güterzug festgenommen, die über gutes Schuhwerk verfügten und frisierte Haare trugen. Diese Spur war von der Warren-Kommission nicht weiter verfolgt worden.
Die „magische“ Kugel, welche zwei Körper, ein Handgelenk, festes Gewebe und Knochen durchschlagen und in einem fast unversehrten Zustand auf einer Trage gefunden worden sein soll.Gegen die so genannten „Theorie der magischen Kugel“ der Warren-Kommission und des HSCA spricht, dass das auf einer Trage aufgefundene Projektil nahezu unversehrt war, obwohl es doch mehrere Körperteile von Kennedy und Gouverneur Conally - darunter eine Rippe und einen Unterarmknochen von Conally durchschlagen haben soll. Normalerweise werden Kupfermantelgeschosse dieser Art schon beim Aufprall auf bloßes Fleisch erheblich deformiert. Zudem waren keinerlei Anhaftungen von Blut oder Gewebe an ihr feststellbar. Laut Aussage des FBI-Beamten Robert Frazier wurden dagegen an zwei in der Limousine des Präsidenten gefundenen Kugelfragmenten Blutspuren gefunden. Sowohl im rechten Handgelenk von Gouverneur Conally, als auch in dessen linkem Oberschenkel fand man Bleifragmente, was ebenfalls nicht zu der nahezu unversehrten Kugel passt, die man auf seiner Trage fand.
Darüber hinaus lieferte die mit ersichtlichen Mängeln behaftete Mannlicher-Carcano, welche zum Zeitpunkt des Attentats bereits 23 Jahre alt war (Baujahr 1940), in Bezug auf ihre Bauart bereits vor dem Ersten Weltkrieg viel Zündstoff für Diskussionen. Kritisiert wurde vor allem die Munition mit ihrer geringen ballistischen Leistung, der zu geringen Durchschlagskraft aufgrund der abgerundeten Spitze des Geschosses und die entschieden zu kurze effektive Reichweite. Die als technisch veraltet geltende Waffe und deren Munition wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg überarbeitet und verbessert.
Eine metallurgische Analyse, die 2007 in den Annals of Applied Statistics publiziert wurde, ergab, dass die beim Attentat auf John F. Kennedy erstmals angewandte Methode zur Bestimmung der Zugehörigkeit von Kugelfragmenten unzureichend war. Das FBI hatte als Ergebnis dieser Methode festgestellt, dass die im Zusammenhang mit dem Attentat gefundenen Kugelfragmente mit Sicherheit von nur zwei Projektilen stammten, die sich dem Gewehr Oswalds zuordnen ließen. Die Autoren der Untersuchtung, Wissenschaftler der Texas A&M University sowie ein ehemaliger Mitarbeiter des FBI, bezeichneten die Beweismittel der Ermittlungsbehörde als „grundsätzlich fehlerhaft“ („evidence used to rule out a second assassin is fundamentally flawed“).
Die Warren-Kommission behauptet, dass keine Spuren von Munition anderer Waffen gefunden wurden. Diese Aussage der Warren-Kommission stützt sich auf eine erstmals bei der Untersuchung des Kennedy-Attentats vom FBI angewendete Methode zur Untersuchung von Bleikugeln und deren Fragmenten. Diese sogenannte "Comparative Bullet-Lead Analysis" wurde jedoch im Jahre 2004 von der amerikanischen "National Academy of Science" als "unzuverlässig und potentiell irreführend beurteilt.""FBI's Forensic Test Full of Holes"
Die laut Warren-Kommission verwendete Kupfermantel-Munition der Manlicher-Carcano hätte an den Schusslöchern der Kleidung des Präsidenten Spuren von Kupfer hinterlassen müssen. Eine spektografische Untersuchung ergab jedoch keinerlei Spuren von Kupfer. "Das Fehlen [dieser Spuren] bedeutet, dass die Kugel [magische Kugel] nicht die Löcher verursachte ... und diese Tatsache allein zerstört die erfundene magische-Kugel-These und verlangt ein weiteres Gewehr und einen weiteren Schützen zur Erklärung der zahlreichen Wunden ...."
Oswald war kein guter Schütze und hatte kein Interesse an Waffen. Er hatte Mühe, die geforderte Qualifikation als Schütze bei den Marines zu erfüllen.
Drei Meisterschützen der National Rifle Association gaben in einem Test mit der beim Attentat laut Warren-Bericht benutzten Manlicher-Carcano vom Kaliber 6,5mm auf eine ruhende und zudem größere Attrappe eines Oberkörpers insgesamt 18 Schüsse in verschiedenen, aber geringeren Entfernungen als beim Attentat ab. Sie hatten zudem für den ersten Schuss beliebig viel Zeit. Keiner der drei Meisterschützen hatte auch nur einmal den Kopf oder den Hals der Attrappe getroffen. Auch der große, für das Abfeuern der veralteten Waffe erforderliche Abzugsdruck habe den Schützen Schwierigkeiten gemacht. Die Manlicher-Carcano gilt allgemein als eine minderwertige Waffe.
Waffentechnische Untersuchungen italienischer Experten kamen 2007 zu dem Ergebnis, dass es ihrer Ansicht nach unmöglich sei, drei Schüsse aus einem Mannlicher-Carcano-Gewehr in weniger als neunzehn Sekunden abzugeben. Der Warren-Kommission nach soll der Schütze nur maximal sieben Sekunden benötigt haben.
Der Schütze im Schulbuchlager hätte eine bessere Möglichkeit gehabt, auf Kennedy zu schießen, als dessen Wagen auf ihn zurollte, anstatt zu warten, bis er sich von ihm entfernte.
Die Wahl eines umständlichen Repetiergewehrs, im Falle des Carcano-Gewehrs sogar eines als besonders unpräzise geltenden, gegenüber Scharfschützen- oder Maschinengewehren ist schwer nachvollziehbar.
Normalerweise ist der erste Schuss eines Schützen immer der beste, weil dieser dann Zeit zum Zielen hat und die Gelegenheit, auf den richtigen Augenblick zu warten, auf seine Atmung zu achten und den Schuss „erfühlen“ kann (Brechen des Schusses). Dieser Schuss unter guten Voraussetzungen soll jedoch vollends daneben gegangen sein, während die hektisch und unter Stress und Zeitdruck abgegebenen Schüsse 2 und 3 angeblich trafen.
Es ist unklar, wie beim ersten Schuss vom Schulbuchgebäude gezielt worden sein soll, da eine immergrüne Lebenseiche den Blick versperrte.
Weitere Sachverhalte, die Anlass zu Zweifeln geben
Die beiden offiziellen Regierungsuntersuchungen bestätigten, dass das Sicherheitspersonal rund um Kennedys
Die gesäuberte PräsidentenlimousineFahrzeugkolonne deutlich gegenüber dem üblichen Grad reduziert worden war. Daraus schließen Kritiker, die Ermordung des Präsidenten könne von Personen, die einflussreiche Positionen im Staatswesen innehatten, koordiniert worden sein.
Die Präsidenten-Limousine wurde auf Befehl von Präsident Johnson unmittelbar gesäubert und wiederhergestellt, anstatt sie als Beweisstück für ballistische Untersuchungen zu sichern. Dieses Vorgehen hat möglicherweise wichtige Beweise vernichtet.
Der Transport der Leiche nach Washington verstieß gegen texanisches Recht, das die Untersuchung durch den örtlichen Leichenbeschauer vorschrieb.
Gouverneur Connallys Hut, den er in der rechten Hand hielt, als eine Kugel in sein Handgelenk eindrang, verschwand aus der Beweiskette, nachdem er zuletzt am Abend des 22. November in einem Polizeibüro in Dallas gesehen worden war.
Die Polizei von Dallas hatte das Schulbuchdepot bis 12:39 Uhr nicht abgeriegelt, da Polizisten und Zeugen zunächst den Grashügel und den Parkplatz durchsucht hatten.
Die Dealey Plaza selbst war nicht abgesperrt worden. Fotos zeigen, dass noch neun Minuten nach dem Attentat Fahrzeuge die Elm Street herunterfahren.
Während auf der restlichen Route die Schaulustigen in drei Reihen gedrängt standen, war die Plaza nahezu menschenleer und bot ein perfektes Schussfeld, etwa vom Grashügel.
Mehrere Autopsiefotos fehlen.
Der Marinearzt, der die Autopsie in Washington leitete, hatte noch nie eine Autopsie durchgeführt. Nicht einmal die Kleidung wurde auf Einschusslöcher untersucht.
Die verwirrende Zahl von immer neuen Verschwörungstheorien wird von einigen Konspirologen wie Mathias Bröckers als Indiz für eine absichtsvolle Verwirrung durch Desinformation der Öffentlichkeit und damit wiederum für eine Verschwörung gedeutet.
Zweifel an der offiziellen Darstellung werden auch dadurch genährt, dass die Untersuchungen einseitig geführt oder behindert wurden und dass von Regierungsseite wiederholt die Unwahrheit gesagt wurde. Erst auf öffentlichen Druck wurden Kommissionen wie HSCA und ARRB eingesetzt.
Der Sohn des ehemaligen CIA-Agenten E. Howard Hunt erklärte, sein Vater habe ihm kurz vor dessen Tod seine Beteiligung an dem Attentat gestanden und eine Verwicklung von Lyndon B. Johnson hervorgehoben.
Gegenargumente
Den zahlreichen Ungereimtheiten in der offiziellen Darstellung werden auch zahlreiche Argumente entgegengehalten:
Praktische Versuche, die sowohl die Warren-Kommission als auch das HSCA in Auftrag gaben, bewiesen, dass die Abgabe dreier erfolgreicher Schüsse aus einem Carcano-Gewehr inklusive Nachladen unter Idealbedingungen in weniger als sechs Sekunden möglich ist.
Seit der Einführung von Cellulosenitrat Mitte des 19. Jahrhunderts geben Schusswaffen beim Abfeuern keine Rauchwolke mehr ab. Der Rauch, den einige Zeugen vom Grashügel aufsteigen sahen, hat also eine andere Ursache, zum Beispiel Zigaretten.
Die „Theorie der magischen Kugel“ bei korrigierter Sitzordnung, jedoch mit nicht übereinstimmender Schussbahn zur Garrison-DarstellungDie Kritik an der „Theorie der magischen Kugel“ geht von einer falschen Sitzordnung Kennedys und Connallys aus: Dieser saß auf einem Notsitz unmittelbar vor dem Präsidenten, aber deutlich niedriger. Bei einer jeweils versetzten Sitzposition soll es einer Theorie zufolge möglich sein, dass eine einzelne Kugel bei minimaler Ablenkung durch eine zerschmetterte Rippe des Gouverneurs alle sieben Wunden verursacht haben könnte. Ein praktischer Beweis für diese These steht noch aus.
Die unterschiedlichen Aussagen der Ohrenzeugen, was die Richtung betrifft, aus der die Schüsse kamen, könnten durch Echoeffekte erklärt werden. Diese These wirft jedoch die Folgefrage auf, weshalb nur eines statt drei Echos erzeugt wurde.
Die Deutung und zeitliche Einordnung der DictaBelt-Aufnahme, mit der der HSCA sich von einem vierten Schuss überzeugen ließ, sind außerordentlich umstritten: Jüngste Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass auf dem Band keine Schüsse, sondern atmosphärische Störungen zu hören sind.
Eine Kugel kann nach Aussage des Clark-Berichts von 1968, wenn sie in ein rundes Objekt wie einen Schädelknochen eindringt, durchaus eine Wunde hinterlassen, die größer ist als sie selbst.
Die beobachtete Rückwärtsbewegung des Kopfes kann durch die Sprengwirkung des Treffers oder durch eine neurologische Reaktion auf die Verletzung erklärt werden.
Der amerikanische Experte für Computeranimation Dale Myers entwarf auf der Grundlage sämtlicher zur Verfügung stehender Filme, Photographien und Baupläne in zehnjähriger Arbeit eine 3D-Simulation des Attentats. Das Ergebnis wurde 2003 in der Dokumentation The Kennedy Assassination: Beyond Conspiracy („Der Kennedy-Mord – jenseits der Verschwörung“) auf ABC gezeigt, die einen Emmy gewann. Diese Simulation erlaubte das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven mit größter geometrischer Zuverlässigkeit zu betrachten. Sie zeigt, dass Schusswunden von Kennedy und Conally exakt zu den Positionen passen, die sie eingenommen hatten, als die Schüsse fielen. Verfolgt man die ballistische Flugbahn der Kugeln in dieser Animation, kommt man auf einen schmalen Winkel, in dem sich auch einige Fenster im sechsten Stock des Schulbuchlagers befinden, darunter auch das, von dem aus Oswald geschossen haben soll.
Die fehlende Austrittswunde der angeblichen magischen Kugel an Kennedys Hals könnte durch den Luftröhrenschnitt zu erklären sein, den die Ärzte in der Notaufnahme vornahmen.
Datei:Lho-133A.jpg
Eines der umstrittenen „Backyard-Photos“ vom 31. März 1963Photos vom 31. März 1963, auf denen Oswald mit kommunistischen Zeitungen und einem Gewehr auf seinem Hinterhof posierte, werden von Kritikern der Alleintäterthese als Fälschungen bezeichnet, weil Oswald nach seiner Festnahme ihre Authentizität bestritt und der Schatten in seinem Gesicht und der seines Körpers nicht parallel fielen. Oswalds Witwe sagte aber später wiederholt aus, sie selbst habe die Aufnahmen gemacht. Der amerikanische Informatikprofessor Hany Farid kam 2009 bei seiner Untersuchung der Bilder zu dem Schluss, es sei „in hohem Maße unwahrscheinlich, dass irgendjemand eine so perfekte Fälschung mit der Technologie habe bewerkstelligen können, die 1963 zur Verfügung stand“.
Die angeblich gefälschten Röntgenaufnahmen und Photographien der Autopsie in Washington wurden von dem Röntgentechniker John Stringer im November 1966 in den National Archives geprüft und als genau die Bilder erkannt, die er vier Jahre zuvor angefertigt hatte. Sie bestätigen, dass Kennedy von Schüssen getroffen wurde, die von hinten kamen
Verschwörungstheorien
Im Folgenden werden Anhaltspunkte sowohl für die Version der Warren-Kommission vorgestellt, es habe nur einen Schützen gegeben, als auch dafür, dass Oswald nicht allein handelte oder, wie er selber sagte, nur der „Sündenbock“ für die im Hintergrund agierenden Drahtzieher war. Die populärsten Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit dem Attentat schließen sich nicht gegenseitig aus, da sie sich zum Teil aufeinander beziehen:
Lyndon B. Johnson
Vize-Präsident Lyndon B. Johnson wird ein Motiv an Kennedys Tod nachgesagt, da er hierdurch selbst Präsident wurde und einen Politikwechsel herbeiführen konnte. Kennedy hatte zuvor mit Personen aus seinem engsten Umfeld darüber diskutiert, ob man Johnson vor der Wahl im Jahre 1964 nicht fallen lassen sollte. Ähnliche Gerüchte verbreitete Richard Nixon in einer Zeitung aus Dallas, denn dieser sei in einer Reihe Skandale verwickelt. Die Ermittlungen hierüber „verschwanden“ nach seinem Amtsantritt.
Johnson strich die von Kennedy angeordneten Rückzugspläne von CIA-Agenten aus Südostasien und führte stattdessen sein Land in den Vietnamkrieg, welcher der schwächelnden texanischen Rüstungsindustrie wie Bell Helicopters lukrative Aufträge bescherte. Insgesamt verdiente Johnson über entsprechende Firmenbeteiligungen ca. eine Milliarde Dollar am Krieg, während die hiervon beanspruchte Staatskasse schließlich die Bindung an die Goldreserven aufgeben musste.
Als texanischer Gastgeber hatte Johnson selbst auf eine Änderung des Fahrtziels hingewirkt und damit die neue Fahrtroute über die Dealey Plaza bewirkt. Im sechsten Stockwerk des Schulbuchdepots wurde ein zunächst unidentifizierter Fingerabdruck auf einem Pappkarton gefunden. Dieser Fingerabdruck wies spezifische Ähnlichkeiten mit Fingerabdrücken von Malcolm Wallace auf. Wallace, ein verurteilter Mörder, war seit 1950 mit Johnson befreundet und hatte eine Affäre mit Johnsons Schwester Josepha Johnson.[99] 1998 unterschrieb der Fingerabdrucksexperte A. Nathan Darby eine beglaubigte Erklärung, in der eine 14-Punkt-Übereinstimmung im Vergleich der Abdrücke festgestellt wurde.
Verschwörung des militärisch-industriellen Komplexes
Der so genannte militärisch-industrielle Komplex der USA, der sich angeblich auf eine Eskalation des Vietnam-Krieges vorbereitete, nachdem sich Frankreich 1954 aus Indochina zurückgezogen hatte, soll gewusst haben, dass Kennedy bereits einen Rückzugsplan ab dem Jahr 1965 erwog. Zusätzlich habe es starke Verärgerung im amerikanischen Militär- und Geheimdienstapparat über den Umstand gegeben, dass Kennedy keine offene Militärunterstützung für die Schweinebucht-Invasion auf Kuba gewährt hatte, die von der CIA mit organisiert worden war. Im Gegenteil hatten die USA im Rahmen der Kuba-Krise der Sowjetunion zugesagt, von weiteren Versuchen der Invasion Kubas abzusehen. Vor dem gestiegenen Einfluss des militärisch-industriellen Komplexes in den USA hatte bereits Kennedys Vorgänger Dwight D. Eisenhower gewarnt.
CIA-Verschwörung
Kennedy soll die CIA nicht unter Kontrolle gehabt haben. Die für die CIA arbeitenden Exilkubaner hatte er sich nach der fehlgeschlagenen Invasion in der Schweinebucht vom April 1961 zum Feind gemacht, weil er die von den Beteiligten erhoffte Luftunterstützung durch die Air Force verweigert hatte. Während der Aktion versuchte der stellvertretende CIA-Direktor Charles Cabell vergeblich, von Kennedy eine Einsatzerlaubnis zu erhalten. Kennedy übernahm später in der Öffentlichkeit die volle Verantwortung für das fehlgeschlagene Unternehmen, entließ aber CIA-Direktor Allen Dulles und seinen Stellvertreter Cabell.
Nach dem Kennedy-Mord wurde Dulles Mitglied der Warren-Kommission, wo er vertiefte Untersuchungen in Richtung CIA verhinderte. Die CIA war unter Druck geraten, weil sie die Repatriierung des bekennenden Marxisten-Leninisten Oswald nicht verhindert hatte, obwohl dieser mit der Tochter eines KGB-Offiziers verheiratet war. Ferner hatten CIA-Agenten Oswald angeblich beim Betreten der kubanischen und der sowjetischen Botschaften in Mexiko beobachtet.
Im Januar 1967 gab die CIA Hinweise zum Umgang mit der Kritik am Warren-Report an ihre Mitarbeiter mit dem Ziel, die um sich greifenden Verschwörungstheorien zu diskreditieren und ihnen entgegenzuwirken.
Verschwörung des organisierten Verbrechens (Ostküste)
Ein naheliegendes Mordmotiv hatte das organisierte Verbrechen. Das Attentat könnte in dieser Perspektive eine Vergeltungsmaßnahme für eine steigende Zahl von Razzien und Aktivitäten des FBI gewesen sein.
Es ist dokumentiert, dass FBI-Chef J. Edgar Hoover die Existenz eines landesweiten Mafia-Syndikats in den USA bestritt, jedoch gute Kontakte zu Unterweltgrößen wie Frank Costello pflegte. Angeblich soll ihn die Mafia erpresst haben, weil dieser homosexuell gewesen sei. Kennedys Bruder Robert hatte sich demgegenüber im Kefauver-Komitee pressewirksam als Kämpfer gegen das landesweit organisierte Verbrechen profiliert. Pikanterweise hatte ausgerechnet Kennedys Vater Joseph P. Kennedy während der Alkoholprohibition mit der italo-amerikanischen Mafia gemeinsame Geschäfte gemacht, aber auch gewaltsame Konflikte ausgetragen. Ausgerechnet Costello hatte sich im Wahlkampf zugunsten der Kennedys engagiert, Italoamerikaner zur Wahl des Katholiken Kennedy aufgefordert und die knapp entschiedenen Wahlen in fünf Bundesstaaten entscheidend manipuliert, wovon sich das Syndikat Wohlgefallen erhoffte. Als Kennedy Präsident wurde, verelffachten sich jedoch die Zahl der Anklagen von Mobstern unter dem von Robert F. Kennedy geführten Justizministerium. Zudem zeigte sich die Regierung Kennedy undankbar gegenüber dem Engagement der Mafia bei der CIA-gesteuerten Invasion in der Schweinebucht sowie bei der Operation Mongoose, in welcher bei verschiedenen Anschlagsversuchen auf Castro zusammengearbeitet wurde. Hintergrund war eine Interessenkonvergenz gewesen, da Kennedy Castro aus politischen Gründen beseitigen wollte, während die Mafia ihre Milliardenverluste zu kompensieren suchte, die dadurch entstanden waren, dass Castro 1959 die Glücksspiel- und Drogeninfrastruktur der Mafia beschlagnahmt hatte. Kennedy jedoch hatte nach der Kuba-Krise eine Militäraktion ausgeschlossen. Nach der Ermordung von Kennedy fiel die Rate der Anklagen gegen die Mafia wieder auf das Maß vor dessen Wahl zurück.
Verschwörung des organisierten Verbrechens (Südstaaten)
Dem Historiker John Davies zufolge soll der Südstaatenmafioso Carlos Marcello den Kennedy-Mord organisiert haben, da er auf diese Weise seinen Privatkrieg mit Justizminister Robert Kennedy beenden konnte. Robert Kennedy hatte den in den USA aufgewachsenen „Big Boss“ der in Louisiana ansässigen Südstaatenmafia mit allen Mitteln bekämpft und wegen fehlender Staatsbürgerschaft zunächst illegal ausweisen lassen. Marcello, der für Wahlkämpfe von Vize-Präsident Lyndon B. Johnson und Richard Nixon gespendet hatte, hatte im Rahmen seiner Feindschaft zu den Kennedys die Bekanntschaft mit dem mysteriösen David Ferrie gemacht, der wegen seiner paramilitärischen Erfahrungen der geeignete Planer für eine solches Attentat gewesen sei. Einem FBI-Zeugen gegenüber soll Marcello den Mord angekündigt haben, der in gewisser Weise dem ebenfalls mysteriösen Mord an Louisianas Gouverneur Huey Long ähnelte, bei dem der angebliche Attentäter ebenfalls umgehend getötet wurde. Der Kennedy-Mord ereignete sich in Texas, also innerhalb des Reviers Marcellos, und fand während des laufenden Prozesses um Marcellos Aufenthaltsgenehmigung statt. Infolge des Wegfalls von Robert Kennedys Autorität und des Desinteresses Präsident Johnsons verlief das Verfahren im Sande. Der Verdächtige Oswald wurde von dem Mafioso Jack Ruby erschossen, der die Polizisten-Bar „Carrussel Club“ leitete und für Marcello entsprechende Kontakte zur damals für Korruption auf allen Ebenen bekannten Polizei von Dallas pflegte. Louisianas Staatsanwalt Jim Garrison, der den Kennedy-Mord der CIA in der Person von Clay Shaw anlastete und den bisher einzigen Prozess in diesem Fall im Sinne der Anklage verlor, ging Marcello nie an, bekam von diesem jedoch Aufenthalte in Las Vegas spendiert und den günstigen Kauf einer Immobilie vermittelt..
Gegen die Mafia als alleinige Drahtzieherin des Attentats wird eingewandt, sie sei kaum in der Lage gewesen, die zahlreichen Unregelmäßigkeiten bei den diversen Untersuchungen kontrolliert zu haben. Zudem sei ein generalstabsmäßig durchgeführter Mordanschlag, der die Handschrift des Militärs trage, für die Mafia untypisch, da deren Methoden erfahrungsgemäß deutlich primitiver seien.[107] Marcellos Biograph Davis wiederum verweist auf Marcellos Kontakt zum Paramilitär Ferrie, der unstreitig Oswald das Schießen beigebracht hatte und definitiv über das Know-how eines entsprechenden Komplotts verfügt hätte.
Verschwörung der Kubaner
Kennedys politischer Gegenspieler Fidel Castro wurde oft als Drahtzieher des Attentats verdächtigt. Seit dessen Machtergreifung 1959 in Kuba versuchte die CIA mittels der Mafia erfolglos, Castro ermorden zu lassen. Die Geheimdienste hatten in der Operation Mongoose Sabotagen und terroristische Anschläge auf Kuba verübt, die bislang 25 Kubanern das Leben gekostet hatte. Im September 1963 warnte Castro öffentlich, dass führende Politiker der USA nicht sicher würden leben können, wenn sie glaubten, ihn töten lassen zu können. Nach der Kuba-Krise hatten John und Robert Kennedy der CIA 1962 zunächst befohlen, weitere Mordanschläge auf Castro auszusetzen. Das Programm war jedoch wiederaufgenommen worden. Am 22. November soll ein CIA-Agent beauftragt worden sein, Castro mit einer vergifteten Füllfederhalterwaffe zu ermorden. Seit der zweiten Jahreshälfte 1963 hatte Kennedy über Hintergrundkanäle Castro angeboten, die diplomatischen und auch die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Kuba zu normalisieren. Die CIA habe diese Anweisung allerdings ignoriert, ohne dass der Präsident oder sein Bruder davon wussten.
2006 erhob der deutsche Journalist Wilfried Huismann mit seinem Dokumentarfilm „Rendezvous mit dem Tod“ den Anspruch, zu beweisen, Oswald selbst habe sich bei seiner Mexiko-Reise im September 1963 freiwillig in der kubanischen Botschaft erboten, Kennedy umzubringen. Dafür seien ihm 6500 US-Dollar gegeben worden. Der Film erklärt weiterhin, die US-Regierung habe diese Spur absichtlich nicht weiter verfolgt, um keinen Krieg heraufzubeschwören, wie ihn ein Großteil der Öffentlichkeit bei Bekanntwerden eines kubanischen Attentats mit Sicherheit gefordert hätte. In den deutschen Medien wurde Huismanns These jedoch mit erheblicher Kritik aufgenommen, unter anderem, weil die angebliche Übergabe des Mordlohns in der kubanischen Botschaft in Mexiko-Stadt stattgefunden haben soll, die aber, wie die Kubaner sehr wohl wussten, von den Amerikanern abgehört wurde.
Eine wesentliche Schwäche dieser These besteht im angeblichen Motiv. Kuba hätte von Kennedys Ermordung keinen strategischen Vorteil zu erwarten gehabt, da in der US-Politik bei der harten Haltung gegen Kuba weitgehend Einigkeit herrschte, Kennedy sogar als eher gemäßigt galt. Im Gegenteil hätte eine kubanische Urheberschaft Castro international isoliert und eine militärische Reaktion provoziert.
Der größte Kritikpunkt an dieser Dokumentation liegt in der Verwendung des vorgebrachten Beweismaterials, welches die These stützen soll. So wurde eine Idee für ein Kennedy-Buch zu einem Geheimdossier umfunktioniert und angebliche Aussagen von Zeugen als Beweis herbeigezogen, die bei ihrer eidesstattlichen Befragung bestätigten, dass es keinen Anhaltspunkt für eine kubanische Tatbeteiligung gegeben hatte.
Verschwörung der Finanzwelt
Amerikanische Verschwörungstheoretiker wie Jim Marrs verbreiten die These, das Motiv des Mordes an Kennedy sei dessen Unterschrift unter die Executive Order No. 11110 gewesen. Mit dieser Verordnung vom 4. Juni 1963 sei das Finanzministerium der Vereinigten Staaten ermächtigt worden, unabhängig von dem Federal Reserve System silberbasiertes Papiergeld auszugeben. Damit seien die Privatbankiers, die die Fed kontrollierten, um ihr Monopol der Geldschöpfung gebracht worden, und hätten entsprechend reagiert. Unmittelbar nach Kennedys Ermordung sei die Verordnung wieder aufgehoben und bereits in Umlauf gebrachte Dollarnoten der Regierung aus dem Verkehr gezogen worden. Diese Annahmen sind aber nachweislich falsch: Wie der Finanzwissenschaftler G. Thomas Woodward feststellt, vergrößerte die Verordnung keineswegs die Macht des Finanzministeriums, sondern modifizierte lediglich die bereits bestehenden Vorschriften im bimetallischen Währungssystem der USA und ermächtigte das Federal Reserve System, das im Umlauf befindliche silberbasierte Geld durch selbstemittiertes Geld auch in kleiner Stückelung zu ersetzen. Dadurch sei die Macht des Federal Reserve System bei der Geldemission faktisch gestärkt worden. Die Verordnung wurde 1987 von Präsident Ronald Reagan aufgehoben.
Stand der Diskussion
Einzelbild aus dem Zapruder-Film und der Blick aus dem sechsten Stock des SchulbuchlagersTäterschaft und Hintergründe des Kennedy-Attentats sind bis heute umstritten. Umfragen zeigen, dass eine große Mehrheit der Amerikaner nicht an eine Alleintäterschaft Oswalds glaubt. Nach Ansicht von Mathias Bröckers wurde trotz der offenen Kontroverse in den Vereinigten Staaten lange Zeit die Alleintäterthese in den Medien präferiert. In den letzten Jahren kamen in öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland auch Stimmen zu Wort, die die Alleintäterschaft Oswalds bezweifeln.
Das 1993 erschienene Buch des amerikanischen Anwalts und Sachbuchautors Gerald Posner, das den Anspruch erhebt, im Sinne der Alleintäterschaft den „Fall abgeschlossen“zu haben, stieß nicht auf ungeteilte Zustimmung. So warf man dem Autor vor, in allzu engem Kontakt mit der CIA gearbeitet zu haben, insgesamt hundert nachweisliche Fehler und Irrtümer fänden sich in seinem Buch. Gegen diese Kritik erhob sich wiederum Widerspruch, mehrere Irrtümer konnte Posner in einer zweiten Auflage seines Buches tilgen. 2001 veröffentlichte der Geschichtsprofessor David R. Wrone, einer der schärfsten Kritiker Posners, eine detaillierte Bild-für-Bild-Analyse des Zapruder-Films, die ihn zu dem Schluss brachten, dass die tödlichen Schüsse auf den Präsidenten aus mehreren Richtungen kamen. Ähnlich wie Wrone postuliert ein Großteil der in letzter Zeit veröffentlichten Literatur, dass es mindestens einen zweiten Schützen gegeben habe. 2007 veröffentlichte Staatsanwalt Vincent Bugliosi schließlich ein umfangreiches Werk, das wiederum der Alleintäterthese zum Durchbruch verhelfen will. Die meisten historischen oder politikwissenschaftlichen Darstellungen über Leben und Politik Kennedys folgen, sofern sie auf die Kontroverse überhaupt eingehen, der Alleintäterthese.
Nachweise
1.
↑ zit. nach Alan Posener, John F. Kennedy in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten“, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1991, S. 126
2.
↑ Gerald Posner, Case Closed. Lee Harvey Oswald and the Assassination of JFK, Random House, New York 1993, S. 233
3.
↑ Robert Dallek: John F. Kennedy. Ein unvollendetes Leben, DVA: Stuttgart, 2003, S. 645
4.
↑ Gerald Posner, Case Closed. Lee Harvey Oswald and the Assassination of JFK, Random House, New York 1993, S. 300-316
5.
↑ Warren Commission Report, S. 163f.
6.
↑ Oswalds Vermieterin Earline Roberts bestätigt diese Beobachtung, Jim Garrison, Wer erschoss John F. Kennedy?, Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 1992, S. 237
7.
↑ Warren Commission Hearing, Band 6, S. 448; Warren Commission Hearing, Band 24, CE2003, S. 202, S. 215; Mark Lane, Rush to Judgement, New York 1966, S. 188
8.↑
Warren Commission Report, S. 165
9.
↑ Warren Commission Hearing, Band 6, S.452 sowie Jim Garrison: „Auf der Spur der Mörder von Dallas“ (198/1992), 15. Kapitel, S. 238
10.
↑ a b Gerald Posner, Case Closed. Lee Harvey Oswald and the Assassination of JFK, Random House, New York 1993, S. 273–279
11.
↑ Warren Commission Hearing, Band 7, S. 105 – 109, Warren Commission Hearing, Band 24, CE Waren Commission Exhibit 2003, S. 228[/youtube]
(Quelle:Wikipedia) |
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