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Kurgankultur

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Angel81
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Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 20.06.2010
Beiträge: 392

BeitragVerfasst am: 23.09.2010, 20:17 Antworten mit ZitatNach oben

Kurgankultur ist ein Begriff, den die Archäologin Marija Gimbutas 1956 prägte, um archäologische Kulturen des späten Neolithikums und der frühen Bronzezeit in Russland bzw. in der Ukraine und in Moldawien aufgrund der Merkmale ihrer Bestattungen zusammenzufassen (Ockergrabkultur, Grubengrabkultur).
Marija Gimbutas war die erste Wissenschaftlerin in den USA, die ein Gesamtbild der vorindoeuropäischen Zivilisation ausformulierte. Ihre Ausführungen sind in Europa umstritten, was jedoch auch auf alle anderen Hypothesen zutrifft, die sich mit der Herkunft eines spekulativen indoeuropäischen „Urvolks“ befassen. Außerdem nahm Marija Gimbutas mit ihrer Kurgan-Hypothese, in welcher sie ihre archäologischen Arbeiten mit der Sprachforschung verband, Position in der Diskussion um eine vermutete proto-indoeuropäische Ursprungskultur bzw. eine proto-indogermanische Bevölkerung ein.
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Die litauisch-amerikanische Archäologin Marija Gimbutas führte 1956 die Bezeichnung „Kurgantradition“ als Oberbegriff für die halbnomadischen, runde Hügelgräber bauenden Völker ein, nach ihrem auffälligsten Merkmal, den riesigen Kurganen (nach russ.-tatar. kurgán „Grabhügel“), in denen eine ausgewählte Gruppe von Toten mit zahlreichen Grabbeigaben bestattet wurden. Diese Kulturen werden gewöhnlich als „Ockergrabkultur“ und Grubengrabkultur (Jamnaja) bezeichnet, was Gimbutas nicht prägnant genug erschien. Die Ockergrab- bzw. Kurgankultur ist gekennzeichnet durch Einzelbestattung in Grabgruben (später Holzkammern), über die ein Grabhügel (Kurgan) aufgeworfen wurde. Die Gräber enthalten Einstreuungen von Ocker. Da solche Gräber, die für Steppenvölker typisch sind, auch in Mittel- und Südosteuropa auftauchen, werden sie von Gimbutas zum Beweis ihrer Kurgan-Hypothese herangezogen. In einer Reihe von Gräbern, zuerst bei der Majkop- und Novotitarovskaja-Kultur, fanden sich Wagen als Beigaben sowie Äxte aus Stein oder Kupfer. In der Kuban-Kultur am Nordostrand des Schwarzen Meeres wurden Megalithanlagen errichtet. Die Skelette in den späteren Erdgräbern lagen entweder ausgestreckt oder in Hockerhaltung auf dem Rücken.
Von vielen Archäologen werden Begriffe wie „Kurganvolk“ und „Kurgankultur“ jedoch abgelehnt, da sie nach ihrer Meinung den kulturellen Verschiedenheiten und Entwicklungen innerhalb eines weiträumigen Gebietes während einer Dauer von rund 2000 Jahren nicht gerecht werden und einen so nicht bestehenden Kontext suggerieren.
Die hinter dem Begriff „Kurgankultur“ stehende Hypothese eines in Südrussland und seiner Steppenregion beheimateten indoeuropäischen „Urvolks“ wird hingegen von zahlreichen Prähistorikern und Sprachwissenschaftlern positiv beurteilt. Außer Frage steht, dass keine der zahlreichen Hypothesen, die sich mit der Herkunft der Indoeuropäer beschäftigen, bis heute auf ungeteilte Zustimmung gestoßen ist. Nach wie vor wird diese Thematik in der Forschung sehr kontrovers diskutiert.

Die Kurgankultur steht nach Gimbutas im Gegensatz zur Gesellschaft des sogenannten Alten Europas, also der neolithischen und äneolithischen Kulturen Europas, die friedfertig, sesshaft und matriarchal waren. Die Kurganvölker dagegen gehörten einer kriegerischen, patriarchalen und hierarchischen Kultur an, die ihre Toten in Erdgruben mit zelt- oder hüttenartigen, von einem Stein- oder Erdhügel bedeckten Kammern bestattete. Diese halbnomadischen Völker lebten jahreszeitlich bedingt vorübergehend in halb unterirdischen Häusern und ernährten sich vorwiegend von der Weidewirtschaft. Ackerbau wurde in geringerem Maße, aber kontinuierlich betrieben.
Unter den Grabfunden Südosteuropas finden sich bis etwa 4.300 v. Chr., abgesehen von Gerätschaften zur Jagd, keine Waffen und keine Hinweise auf Befestigungen. So waren lt. Gimbutas die friedfertigen Ackerbauern eine leichte Beute für die kriegerischen Reitervölker, die sie überrannten. Die Eindringlinge waren mit Stich- und Hiebwaffen ausgerüstet: mit langen Dolchen, Speeren, Lanzen, Pfeilen und den typischen Kurgan-Bögen.

Als Projektleiterin von fünf großen Ausgrabungen in Südosteuropa und nach intensiven Studien eines weiten Spektrums von archäologischen Originalberichten und linguistischen Forschungen glaubt Gimbutas ab 1977, nachweisen zu können, dass die Proto-Indoeuropäer das „Alteuropa“ der Kupferzeit, d.h. das vorindogermanische jungsteinzeitliche Europa, infiltriert hatten.
Die verschiedenen berittenen Kurgan-Kulturen mit einem patriarchalen Sozialsystem, bestehend aus einem König oder Fürst, einem Adelsrat und freien Männern, wanderten aus der Steppenregion des nördlichen Schwarzmeer-Wolga-Gebietes, wahrscheinlich aus klimatischen Gründen, wegen einer Trockenperiode, aus. Sie zogen gen Westen nach Europa, gen Südwesten nach Anatolien, gen Südosten in den heutigen Iran und das heutige Indien, gen Nordwesten in das Baltikum und gen Osten in das heutige chinesische Turkestan. Diese Hypothese, die von einem indoeuropäischen Ursprungszentrum zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer ausgeht, soll auch die Entstehung der westlichen Kentumsprachen und der östlichen Satemsprachen erklären.
Die Ankunft des Kurgan-Volks, das Gimbutas mit dem indoeuropäischen Urvolk identifiziert, brachte eine Überschichtung der alteingesessenen neolithischen Bevölkerung mit sich, die gravierende gesellschaftliche Folgen hatte. So änderten sich die Grabsitten, d.h. im Norden wich die Kollektivbestattung in Megalithgräbern der Einzelbestattung, wobei man in den Gräbern Hocker und Ockereinstreuungen findet, wie sie in Steppengräbern Südrusslands und Zentralasiens gebräuchlich sind. Der gesellschaftliche Umbruch schlägt sich ebenfalls in der Sachkultur nieder, d.h. es finden sich Streit- und Bootsäxte, schnurverzierte Keramik und andere Beigaben, die auf eine Herkunft aus Südosteuropa hindeuten. Dieser Umbruch, der abgesehen von der Iberischen Halbinsel und Westfrankreich ganz Europa erfasst, ist nach Gimbutas gleichzusetzen mit Europas Indoeuropäisierung. Ausgedehnte Brandhorizonte in Griechenland und Troja, die um 2200 v. Chr. fassbar sind, deuten in die gleiche Richtung. Ferner führt Gimbutas auch die Domestizierung des Pferdes ins Feld, das von den Steppenvölkern gezähmt wurde, und erstmals innerhalb der neolithischen europäischen Bauernkulturen auftaucht. In der Hippologie ist allerdings umstritten, ob zu jener Zeit Pferde schon so weit domestiziert waren, dass sie geritten werden konnten.

Als Folge langer Dürreperioden, die moderne Geologen erst jüngst durch das Ende des bis dahin unbekannten ostmediterranen Monsun, von 7.000 bis etwa 4.500 v. Chr. erklären konnten, schwappten die Kurganeinflüsse in drei Wellen auf die Gebiete des Alten Europa über:
Phase I um 4.400-4.300 v. Chr.
Phase II um 3.500 v. Chr.
Phase III unmittelbar nach 3000 v. Chr.
Eine vierte Welle stieß ca. 2500 - 2200 v. Chr. ins Niltal vor.
Diese Gimbutas-Chronologie bezieht sich nicht auf die Entwicklung einer einzigen Kulturgruppe, sondern auf eine Reihe von Steppenvölkern mit einer gemeinsamen Tradition, die sich über sehr weite Zeiträume und Gebiete ausdehnte. (Lit.: Gimbutas, 1996)

Die Völker der sogenannten Kurgan-I-Gruppe stammten aus der Wolgasteppe und entflohen der Trockenheit nach Westen, in den Westteil der heutigen Ukraine, weiter bis zu den Mündungen der Flüsse Dnister und Donau und am Unterlauf dieser beiden Flüsse aufwärts.
Die russischen Archäologen bezeichnen Kurgan-I als frühes Jamna, wobei das Wort Jamna soviel wie „Grube“ bedeutet und die Erdgrube unter dem Grabhügel bezeichnet.
Kurgan 2
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Die kulturell höher entwickelten sogenannten Kurgan-II-Völker folgten erst rund 1000 Jahre später. Sie hatten ihren Ursprung nördlich des Schwarzen Meeres (das auf griechisch „Pontos euxeinos“ heißt, daher „nordpontisch“, siehe auch: pontisch) im nordpontischen Gebiet zwischen dem Unterlauf des Dnjestr und dem Kaukasusgebirge, wo sie ihre Herden auf den weiten Steppen weideten. Aber neue Dürre, gekoppelt mit starkem Zuwachs ihrer Herden, trieb die dort lebenden Menschen weiter nach Westen, Nordwesten, Norden und Südosten. Fast die ganze Balkanhalbinsel, Ungarn, Österreich, Ostdeutschland bis zur Elbe, Polen und das mittlere Russland, aber auch das Gebiet nördlich des Kaukasus wurden nun von indoeuropäischen Gruppen besiedelt.
Die russ. Archäologie bezeichnet Kurgan II als „Michajlowka I“ oder „Maikop-Kultur.
Kurgan 3

Danach war wieder Ruhe, aber diesmal für kürzere Zeit: Um 3000 v. Chr. begann die sogenannte Kurgan-III-Phase, wiederum von der Wolgasteppe aus. Sie dauerte 200 Jahre. Diese indoeuropäischen Zuzügler verstärkten die schon einige Generationen früher nach Mitteleuropa gezogenen Migranten. Damit wurde das Gebiet von sogenannten Kurgan-Abkömmlingen insbesondere nach Westen erweitert, bis jenseits des Rheins, nach Norden bis Skandinavien und ins nördliche Russland. Auch in die Gebiete um die Ägäis (Griechenland, West-Anatolien) sowie die Länder südlich des Kaukasus (Georgien, Armenien, Aserbaidschan, Ost- und Mittel-Anatolien, und den nördlichen Iran).
Schmoeckel und Wolf versichern, sogenannte Kurgangruppen seien bis nach Syrien, Palästina und bis nach Ägypten vorgedrungen (Lit.: Schmoeckel, 1999). Ausgrabungen und die Mythologie zeigen die Verschiebungen der matriarchalen Lebensweise der Urbevölkerung hin zu den Sitten, die ihnen von den patriarchalen Eroberern aufgezwungen werden (Vgl. für Ägypten Doris Wolf: ’’Was war vor den Pharaonen’’, Zürich, 1994).
Kurgan III wird bei der russ. Archäologie als „spätes Jamna“ bezeichnet (s.o.).

Die Mobilität der Kurganvölker basierte auf der Domestikation des Pferdes, das den Ackerbauern des Alten Europa zwar nicht unbekannt (Iberische Pferde), das aber nicht domestiziert war. Auch Weidewirtschaft und Viehzucht, die es seit mehr als 13.000 Jahren gibt, die aber nach Auffassung der Kurganvertreter nur mit Hilfe von Reitpferden und körperlicher Kraft zu beherrschen war, führten zu dem Übergang von den matriarchalen Gesellschaften zum waffenbewehrten Patriarchat. Auch wenn der genaue Zeitpunkt dieses Prozesses bisher nur schwer festzulegen ist, vollzog er sich mit Sicherheit vor 4000 v. Chr..
Archäologische Funde, untermauert durch eine vergleichende indoeuropäische Sprach- und Mythologieforschung, sprächen für eine die kulturellen Grundfesten erschütternde Kollision zweier Ideologien, Gesellschaftssysteme und Wirtschaftsformen. Durch diesen Zusammenprall der Kulturen veränderte sich das Alte Europa, und in der späteren europäischen Vorgeschichte und Geschichte gingen vorindoeuropäische und indoeuropäische Elemente ineinander über. Beispielsweise blieb in Sprache und Mythologie ein starkes nichtindoeuropäisches Fundament erhalten.
Bestattungssitten und Weltbild

Rundhügelgräber in Moldawien, Südrumänien und Ostungarn legen ein bereites Zeugnis für die Wanderungen der Kurganvölker ab. Die frühesten Kurgangräber in Moldawien werden auf etwa 4.300 v. Chr. datiert.
Im krassen Gegensatz zum ausgeglichenen Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Bestattungen auf den zeitgleichen Friedhöfen des Alten Europa, waren die Kurgangräber fast ausschließlich für männliche Leichname ausgelegt. Während zu dieser Zeit im Alten Europa einfache Erdgruben üblich waren, bedeckten die Kurganstämme ihre Gräber mit einem Erd- oder Steinhügel und bestatteten darin ausschließlich ihre „Krieger“-fürsten zusammen mit deren bevorzugtem Kriegswerkzeug, dem Speer, Pfeil und Bogen und Feuersteindolch oder Langmesser.
Kurgan in der Nähe von Suwałki, Polen Die Grabfunde enthüllen zwei Charakteristika des indoeuropäischen Weltbildes, wie sie sich in Ostmitteleuropa zum ersten Mal in den beiden Grabstätten Suworowo (Суворово, Suvorovo - Bezirk Warna, Bulgarien) und Casimcea (Donautal) manifestierten. Die Fundorte bezeugen, dass die sogenannten Kurganvölker das Pferd als heiliges Tier verehrten (was sich durchaus mit den vom Permafrost konservierten Hügelgräbern der Skythen am Hindukusch vergleichen lässt) und dass die Frau oder Gefährtin eines Stammeshäuptlings nach dessen Tod geopfert wurde.
Angebliche Bevölkerungsverschiebungen im alten Mitteleuropa nach Norden und Nordwesten weisen indirekt auf eine Katastrophe von so gewaltigem Ausmaß hin, dass sie für Gimbutas nicht mit klimatischen Veränderungen oder Epidemien erklärbar sind (für die ohnehin aus der zweiten Hälfte des 5. Jahrtausends keinerlei Hinweise vorliegen). Dagegen ist angeblich belegt, dass berittene Krieger in diese Landstriche einfielen, nicht nur durch die Funde von Hügelgräbern, die für einen einzigen Mann angelegt waren, sondern weil zu diesem Zeitpunkt ein ganzer Komplex von gesellschaftlichen Zügen hervortrat, der für die Kurgankultur charakteristisch war: Höhensiedlungen, Haltung von Pferden, eine auf Weidewirtschaft ausgerichtete Ökonomie, Hinweise auf Gewaltbereitschaft und Patriarchat sowie religiöse Symbole, die auf einen Sonnenkult hinweisen. Radiokarbondaten siedeln diese Periode zwischen 4.400 und 3.900 an.
In Gegensatz zu den massiven, oberirdisch gebauten Langhäusern der vorhergehenden Zeitspanne, entstehen die kleinen Trichterbecherhäuser. Sie enthalten Keramik, die mit Furchenstichtechnik angebrachten Sonnensymbolen, Fischgräten- und Stichmustern verziert sind. Die eindrucksvollsten Höhensiedlungen stammen aus der Salzmünder Gruppe, einer Untergruppe der Trichterbecherkultur, die in die erste Hälfte des 4. Jahrtausends datiert wird. Eine solche Siedlung liegt auf einer Hochfläche bei Halle an der Saale. Höhensiedlungen sind an der höchsten Stelle der Umgebung erbaut und von zwei oder drei Seiten durch Wasser oder steile Felshänge auf natürliche Weise geschützt. Auf der Dölauer Heide wurden fünf kleine rechteckige Häuser, deren Wände aus je drei Holzpfosten mit Füllungen aus lehmbeworfenem Flechtwerk bestanden, freigelegt. In der gleichen Region wurden etwa zwanzig Erdhügel ausgegraben; jeder von ihnen enthielt ein zentrales Grab in einer Vertiefung unter der Erdoberfläche und einen gewöhnlich aus Steinblöcken erbauten Totenschrein. Aus dieser Phase gibt es Hinweise auf Gewalttätigkeiten – Anzeichen dafür, dass Menschen mit Speeren oder Äxten getötet wurden -, die sich auch in den nächsten Jahrtausenden fortsetzten. Man fand Gräber mit Skelettresten von Frauen, Männern und Kindern in wüstem Durcheinander. Auch in Ostirland und Mittelengland steht das glockenbecherzeitliche Auftauchen von Grabmonumenten für einzelne Personen um die Mitte des 4. Jahrtausends in extremem Gegensatz zur vorhergehenden Tradition der Gruppenbestattungen.
Das Ende des Alten Europa

Die Veränderungen der materiellen Kultur in Teilen Mitteleuropas um 4.000 wird von Gimbutas als 'Kurganisierung' in Folge der ersten Kurganwelle bezeichnet. Während Gimbutas zufolge die ackerbautreibende Zivilisation des alten Europa eine matriarchale Struktur hatte (Lit.: Eisenhauer 2003), vollzog sich um 4000 herum ein Wandel zu einer Mischökonomie aus Ackerbau und Weidewirtschaft, was wiederum zu einer patriarchalen Klassengesellschaft führte, die als ’’erfolgreicher Indoeuropäisierungsprozess’’ (Lit.: Gimbutas, 1996) bezeichnet wurde. Die Viehhaltung (nicht nomadische Viehzucht) spielte eine zunehmend wichtigere Rolle als der Ackerbau. Die Veränderung der Sozialstruktur, Religion und Ökonomie war keine langsame einheimische Entwicklung, sondern das Aufeinanderprallen und die allmähliche Vermischung zweier Gesellschaftssysteme mit vollkommen gegensätzlichen Weltbildern. Nicht das gesamte Mitteleuropa wurde infolge der ersten Welle der Eindringlinge 'kurganisiert', fest steht jedoch, dass in dem größten Teil des Donaubeckens nun befestigte Höhensiedlungen errichtet wurden. Es dauerte viele Generationen, bis die Traditionen des gesamten 'Alten Europa' nach und nach durch die 'Kurgankultur' verdrängt waren.

Seit wann die Kurganleute Pferde als Reittiere benutzen, bleibt umstritten. Der amerikanische Archäo-Zoologe David Anthony und der ukrainische Forscher Dimitri Telegin fanden Ende der 1980er in einer Siedlung in Dereivka am Dnepr (ca. 250 Kilometer südlich von Kiew) einen Pferdezahn, der Abnutzungsspuren zeigt, die nach Ansicht der Autoren nur durch eine Trense hervorgerufen sein konnte. Sie datierten diesen Zahn auf ca. 4000 v. Chr.[1] Diese Datierung erwies sich jedoch als falsch: Neue konventionelle (Ki-6962) und AMS-Daten (OxA-7185, OxA-6577) zeigen, dass der Zahn aus der Eisenzeit stammt (Anthony/Brown 2000), während die Datierung der Siedlung selbst bestätigt werden konnte.[2] Auch die Britin Marsha Levine findet keine eindeutigen Belege dafür, dass man Pferde vor Ende des 3. Jt. als Reit– oder Zugtiere nutzte.[3] Ihrem Argument, die Pferde seien wegen ihrer geringen Größe (Stockmaß 1,2–1,4 m; heute 1,6–1,75 m) zum Reiten ungeeignet gewesen, kann man aber entgegenhalten, dass rezente Ponyrassen wie Fjordpferde und Islandponies sehr wohl geritten werden, auch von Erwachsenen. Als Zugtiere wurden Rinder eingesetzt.
Pferdeknochen zeigen keine eindeutigen Domestikationsmerkmale, daher ist die Datierung der Nutzung des Pferdes als Reittier schwierig. Pferdeknochen sind in Mitteleuropa jedoch seit der Bandkeramik belegt
Die Kurganhypothese von M. Gimbutas ist aus verschiedensten Gründen umstritten. Kritiker werfen ihr eine Vermischung von verschiedenen Hypothesen vor, die weder archäologisch noch sprachwissenschaftlich methodisch korrekt entwickelt wurden. Dies zeigt sich im unscharf entwickelten Alteuropa-Konzept, verbunden mit einem Einwanderungsszenario vermeintlich patrilinearer Kulturen, deren Siedlungs- und Bestattungssitten sehr heterogen waren. Da die kupferzeitlichen Kulturen Südosteuropas keine reiternomadischen Kulturen waren, können auch allgemein anerkannte Aspekte (genetische Infiltration Mitteleuropas durch frühe kupferzeitliche Kulturen des Balkans) nicht mit der Kurganhypothese in Einklang gebracht werden.
Genetische Verortung der Indogermanen

Seit Mitte der 1990er Jahre erhielt die Kurgan-Hypothese durch Übereinstimmungen genetischer Merkmale der heutigen Europäer mit der Ausbreitung der indoeuropäischen Sprachen vermeintlich neue Argumente. Die Forschungen wurden vor allem von Luigi Luca Cavalli-Sforza vorgelegt.[8]
Ein alternatives Einwanderungsszenario bildet die Anatolien-Hypothese von Colin Renfrew, über dessen Gleichsetzung mit der Neolithisierung Europas bis heute ebenfalls keine Einigkeit besteht. Die Anatolien-Hypothese geht von einer allmählichen und friedfertigen Ausbreitung einer indoeuropäischen Ackerbauernkultur (im Durchschnitt von 1 km/Jahr) aus, aber auch von dem Irrtum, dass die Indogermanen aufgrund ihres technischen und kulturellen auch einen großen genetischen Einfluss auf das spätere Abendland gehabt hätten, so dass Renfrew auf der Suche nach ihnen zwangsläufig bei der europäischen Vorbevölkerung landet.
Die Sprachwissenschaftler Gamkrelidse und Iwanow sehen Ostanatolien, eigentlich den Raum südlich des Kaukasus (Armenien) als Ausgangspunkt der Sprache und einer von hier aus in mehrere Richtungen erfolgenden indoeuropäischen Wanderung an, die zunächst ostwärts um das Kaspische Meer herum führte (dort ihre tocharische bzw. nordindische Abspaltung erfuhr) und dann westwärts in den Nordpontischen Raum führte.[9]
Der Genetiker L. Cavalli-Sforza unterstützt die Theorie von Gamkrelize und Ivanov, die er als spätere Auswanderungswelle nach einer frühen Anatolien-Expansion sieht. Szenarien, die im Neolithikum und der Kupferzeit hauptsächlich physische Migrationen („Völkerwanderungen“) als Ursache sehen, sind heute allerdings umstritten. Ein starker genetischer Einfluss der Indogermanen wird unabhängig von archäologischen Forschungen heute von den meisten Genetikern abgelehnt oder relativiert
Renfrews Kritik an der Kurgan-Hypothese
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Colin Renfrew stellte der Kurgan-Hypothese die von ihm Ende der 1980er Jahre erstmals publizierte Anatolien-Hypothese entgegen. Er kritisiert die Kurgan-Hypothese vor allem in drei Punkten:
1.archäologisch: die Kurgane seien Monumente einer sesshaften Kultur
2.erschlossene Wurzelwörter für Pflanzen und Tiere können ihre Bedeutung geändert haben und taugten nicht für Rückschlüsse auf ein bestimmtes geographisches Gebiet
3.das Gesamtbild sei nicht überzeugend; es sei unklar, was riesige Horden berittener Krieger hätte veranlassen sollen, zu Ende des Neolithikums nach Westen zu ziehen und den Vorbewohnern ihre Sprache aufzuzwingen.
Bestattungssitten
Ein Einwand gegen die Hypothese von Marija Gimbutas ist, dass die Bestattungssitten sich in Europa auch vor und nach der sogenannten Kurganexpansion grundlegend verändert haben. Eine Kritik des Kurgan-Konzepts auf der Grundlage verschiedener Bestattungstraditionen findet sich u. a. bei Alexander Häusler.[11][12] Von David W. Anthony wird vor allem auf chronologische Lücken der kupferzeitlichen Besiedlung Südosteuropas eingegangen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kurgan-Hypothese

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