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Pompeji ,,Teil I"

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heini65
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BeitragVerfasst am: 27.09.2010, 19:52 Antworten mit ZitatNach oben

Pompeji (lateinisch Pompeii, italienisch Pompeï) war eine antike Stadt in Kampanien, am Golf von Neapel gelegen, die wie Herculaneum und Stabiae beim Ausbruch des Vesuvs am 24. August 79 n. Chr. untergegangen ist.
In seiner etwa siebenhundertjährigen Geschichte wurde Pompeji von Oskern, Samniten, Griechen, Etruskern und Römern bewohnt und geprägt. Bei einem Ausbruch des Vesuvs wurde die Stadt im Jahre 79 verschüttet, dabei weitgehend konserviert und im Laufe der Zeit vergessen. Nach ihrer Wiederentdeckung im 18. Jahrhundert begann die zweite Geschichte der Stadt, in deren Verlauf Pompeji zu einem zentralen Objekt der Archäologie und der Erforschung der antiken Welt wurde. Pompeji, eine der am besten erhaltenen antiken Stadtruinen, wurde zu einem bekannten und in der Neuzeit stark rezipierten Begriff, der viele Lebensbereiche beeinflusste.
ImageBlick in eine enge pompejianische Gasse

ImageZwei Bewohner Pompejis, Terentius Neo (früher als Paquius Proculus gedeutet) und seine Frau, auf einem Fresko; 1. Jh., Museum Neapel

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Paar beim Liebesspiel, Wandmalerei

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Die Lage der antiken Stadt Pompeji



Geografische Lage

Pompeji liegt in der italienischen Landschaft Kampanien, am Fuße des Vesuvs, an der Mündung des Flusses Sarno in den Golf von Neapel. Die Stadt wurde auf einem durch frühere Ausbrüche entstandenen Lavaplateau angelegt, das im Süden und Teilen des Westens steil, zum Norden und Osten hin jedoch nur leicht abfiel. Rekonstruktionen haben ergeben, dass die Stadt in der Antike viel näher am Meer lag (zur Zeit 700 Meter entfernt) als heute. Die Mündung des schiffbaren Sarno war offenbar durch Lagunen geschützt und diente schon früh griechischen und phönizischen Seeleuten als sicherer Hafen und Umschlagplatz für ihre Waren. Zudem war der Boden im Umland nicht zuletzt wegen der früheren Ausbrüche des Vesuvs sehr fruchtbar.

Geschichte

Frühe Stadtgeschichte

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Besiedlungsphasen Pompejis

Rot: Siedlungskern

Blau: Erste Erweiterungsphase

Grün: Zweite Erweiterungsphase

Gelb: Letzte Erweiterungsphase Neuere Ausgrabungen haben ergeben, dass es nahe der heutigen Stadt Nola eine seit dem frühen 1. Jahrtausend v. Chr. bestehende Siedlung gab, die man am Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. aufgab, um sie näher an die Flussmündung zu verlegen. Diese neue Siedlung – Pompeji – wurde nach mythologischer Überlieferung vom Halbgott Herakles gegründet, in Wirklichkeit wohl von den Oskern. Der Ortsname ist mit dem oskischen Zahlwort pompe „fünf“ zu verbinden. Die Bevölkerung der Stadt bestand laut Strabon in historischer Zeit aus Oskern, Etruskern, Pelasgern und Samniten. Über die Geschichte der rasch wachsenden Stadt ist während der Zeit der Auseinandersetzungen zwischen den Griechen und Etruskern in Kampanien nichts bekannt. Allerdings haben Funde belegt, dass man wahrscheinlich nach beiden Seiten hin Kontakte pflegte, wobei die Beziehung zu den Etruskern offenbar bedeutender war. Wahrscheinlich ist allerdings, dass die Pompejaner zunächst unter griechischem Einfluss standen, was ihre Übernahme der griechischen Götterwelt und einen dorischen Tempel erklärt. Im Jahre 525 v. Chr. dehnten die Etrusker ihren Machtbereich bis nach Pompeji aus. Sie übernahmen unter anderem den in Pompeji gepflegten Apollon-Kult. Nach der Niederlage der Etrusker gegen die Flotten von Cumae und Syrakus in der Schlacht von Cumae im Jahr 474 v. Chr. hatten erneut die Griechen die Vorherrschaft über Kampanien inne. Seit dem späten 5. Jahrhundert v. Chr. (zwischen 425 v. Chr. und 420 v. Chr.) stand Pompeji unter samnitischer Herrschaft. Im Jahre 310 v. Chr. konnte die Stadt einen Plünderzug römischer Flottensoldaten noch abwehren, die die Nachbarstadt Nuceria einnehmen sollten. 290 v. Chr. musste sich Pompeji wie auch alle anderen samnitischen Städte dem römischen Bündnissystem anschließen. Aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. wurden mehrere oskische Inschriften gefunden. Nach und vor allem während des 2. Jahrhunderts v. Chr. ging es der kampanischen Stadt wirtschaftlich sehr gut. Es konnten viele öffentliche Projekte wie Markthallen- oder Tempelbauten realisiert werden. Auch private Bauten hatten zum Teil stattliche Dimensionen.

Römisches Pompeji
Sowohl während der Samnitenkriege als auch während des Bundesgenossenkrieges stand Pompeji auf Seiten der Gegner Roms. Sulla belagerte die Stadt 89 v. Chr., Spuren der Artillerie sind noch heute zu sehen. Es wurden auch Inschriften in oskischer Sprache an den Häuserwänden gefunden, die den ortsunkundigen Verteidigern den Weg weisen sollten. Pompeji unterlag schließlich den Römern und wurde 80 v. Chr. von Sulla in eine römische Kolonie umgewandelt. Die Stadt hieß nun Colonia Veneria Cornelia Pompeianorum. Etwa 2000 römische Veteranen mit ihren Familien wurden offenbar in einem größeren geschlossenen Gebiet im Südwesten der Stadt angesiedelt. In der aktuellen Forschung ist jedoch umstritten, ob dazu Teile der Stadt oder einzelne Häuser enteignet wurden. Man kann davon ausgehen, dass viele der Siedler außerhalb der Stadt Land zugewiesen bekamen und daher nicht in der Stadt lebten. Aus dieser Zeit stammen lateinische Inschriften, die auf eine „Selbstromanisierung“ hinweisen. Als gesichert gilt, dass es zunächst Konflikte zwischen den neu angesiedelten Römern und der alteingesessenen Oberschicht gab, die sich über Jahrzehnte hinzogen. Bis zur augusteischen Zeit scheinen die alten Familien ihren Einfluss wieder zurück gewonnen zu haben. In Anlehnung an das römische Kaiserhaus wurde auch der von Augustus vorgesehene Nachfolger in seinem Amt, sein Neffe Marcellus, zum Schutzpatron der Stadt auserkoren und wie Augustus in der Stadt kultisch verehrt. Ebenfalls in augusteischer Zeit scheint sich die mondän anmutende Kleinstadt zu einem Treffpunkt der römischen Oberklasse entwickelt zu haben.

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Darstellung der Krawalle während der Gladiatorenspiele zwischen Pompejanischen und Nucerianer „Schlachtenbummlern“ auf einem pompejanischen Wandgemälde

Im Jahre 59 n. Chr. kam es nach einem Bericht des Historikers Tacitus im bis zu 20.000 Zuschauer fassenden Amphitheater während eines Gladiatorenkampfes zu blutigen Krawallen mit Besuchern aus der Nachbarstadt Nuceria. Darauf verbot Kaiser Nero für zehn Jahre jegliche Spiele in Pompeji. Die Ursachen für diese Auseinandersetzungen sind möglicherweise bei über Pompeji und Nuceria hinausreichenden politischen Problemen zu suchen.
Ein großes Erdbeben, von dem sich Pompeji zum Zeitpunkt seines Unterganges noch nicht wieder ganz erholt hatte, erschütterte am 5. Februar 62 die Region um den Vesuv und richtete in Pompeji große Schäden an. Lange Zeit glaubte man in der Forschung, dass es in Folge dieses Erdbebens zu einer Verarmung und Proletarisierung der Stadt kam, was neuere Forschungen jedoch für unwahrscheinlich halten.
Die Bevölkerung Pompejis, das in antiken Quellen uneinheitlich als urbs, oppidum oder municipium bezeichnet wurde und zur tribus Menenia gehörte, wird auf 8.000 bis 10.000 Einwohner zur Zeit des Untergangs geschätzt.

Untergang

Das Erdbeben des Jahres 62, das möglicherweise durch die Sackung einer Scholle des Herddaches oder das Aufreißen einer Spalte im Untergrund verursacht worden war, lockerte den Schlotpfropfen des Vulkans. Dessen Widerstand wurde durch die eingeschlossenen aufsteigenden Gase und durch das stetige Anwachsen des Dampfdrucks in der Magmakammer immer mehr vermindert. Zur Mittagszeit am 24. August 79 überwand der Innendruck den Widerstand des Pfropfens, der schlagartig zertrümmert und ausgeschleudert wurde. Unmittelbar darauf wurden in kurzer Zeit riesige Mengen von Bimsstein und Asche ausgeworfen. Die ebenfalls ausgeworfenen, vom Herddach stammenden Trias-Dolomite sind ein Beleg dafür, dass der Schlot bis tief hinab leer geschossen wurde. Danach blies ein Gasstrahl zerriebenes Material der Schlotwandungen aus.
Bereits mehrere Tage vor dem Ausbruch hatte es Vorzeichen für eine Aktivität des Vesuvs gegeben, weshalb ein Teil der Einwohner die Stadt vorsichtshalber schon verlassen hatte. Die Eruption schleuderte Unmengen von Asche, Lava und Gasen in die Atmosphäre. Diese Wolke wurde vom Wind über das Land in Richtung Pompeji getragen. Kurz nach Beginn des Ausbruchs begann es Bimsstein zu regnen. Dieser Bimsstein brachte zahllose Dächer zum Einsturz, blockierte die Türen und schloss die Bewohner der Stadt ein. Doch unter dem Bimssteinstaub befanden sich auch größere Brocken, die mit hoher Geschwindigkeit auf die Erde prallten.
Während einer kurzen Ruhepause verstürzte der Schlot. Die nächste Eruption räumte ihn wieder und die Gewalt des Ausbruchs nahm rasch zu. Der Schlot verstürzte erneut und wurde ein weiteres Mal geräumt. Das gasreiche Magma der Tiefe stieg im Schlot empor, wurde durch heftige Explosionen zerstäubt und in einer sich immer mehr steigernden Folge von starken Aschen-Eruptionen gefördert. Der damit erreichte Höhepunkt des Ausbruchs war vermutlich von heftigen vulkanischen Beben begleitet. Gleichzeitig verwandelte ein wolkenbruchartiger Eruptionsregen auf dem Westhang des Vulkans große Aschemengen in Schlammströme.
Durch den Auswurf enormer Massen pyroklastischen Materials waren der Schlot und der obere Teil der Magmakammer entleert worden, so dass das Dach der Magmakammer längs der Bruchlinien zusammensackte. Aus einer dieser Bruchlinien drang Magma bis zur Oberfläche und ergoss sich über das Sumpfgelände am Nordfuß des Monte Somma. Durch den Zusammensturz der Gipfelregion entstand eine Caldera von sechs km Durchmesser, in der sich in der Folgezeit der Kegel des heutigen Vesuvs bildete.
Als sich der Vesuv nach seinem achtzehnstündigen Ausbruch wieder beruhigt hatte, waren die meisten Menschen in Pompeji bereits erstickt oder von herabfallendem Gestein erschlagen worden. Dennoch hatten einige die Katastrophe bis zu diesem Zeitpunkt überstanden. Die wenigen, die noch lebten, fielen aber nur kurze Zeit später Glutlawinen zum Opfer. Eines dieser Opfer war der berühmte römische Schriftsteller Plinius der Ältere, der, getrieben von naturwissenschaftlichem Interesse und dem Wunsch zu helfen, mit seiner Flotte (er war der Präfekt der römischen Flotte in Misenum) zum Ort der Katastrophe gefahren war. Vor Stabiae kam er in den Schwefeldämpfen um. Zeuge der Katastrophe war sein Neffe Plinius der Jüngere, der den Ablauf in erhaltenen Briefen detailgetreu schildert. Der spezifische Verlauf des Vulkanausbruchs wird deshalb auch als Plinianische Eruption bezeichnet.
Pompeji lag über 1500 Jahre lang unter einer bis zu 25 Meter hohen Decke aus vulkanischer Asche und Bimsstein begraben. Neben Pompeji wurden auch weitere Städte wie Herculaneum, Stabiae und Oplontis vollständig verschüttet.

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BeitragVerfasst am: 29.09.2010, 14:18 Antworten mit ZitatNach oben

Wiederentdeckung und neuzeitliche Erforschung

Frühe Ausgrabungen

Schon kurz nach dem Untergang der Stadt wurden aus verschiedenen Gebäuden Wertgegenstände geborgen. So konnten etwa mehrere Marmorstatuen gehoben werden. In den folgenden fast 17 Jahrhunderten war das Gelände der früheren Stadt nur sporadisch besiedelt. Grabräuber hatten jedoch im Verlauf der Jahrhunderte mehrfach in den einfach zu erreichenden Ruinen nach wertvollen Stücken gesucht und diese geplündert.
Chronologie der Ausgrabungen in Pompeji Im Jahre 1592 entdeckte Domenico Fontana bei Kanalbauarbeiten mehrere Inschriften, Marmortafeln, Münzen und Ähnliches, für die sich jedoch niemand interessierte. Das Gelände wurde von den Einheimischen La Civita – die Stadt – genannt. Ein Kavalleriegeneral, Fürst d'Elboeuf, hörte davon, kaufte an der Stelle Land und begann mit planlosen Ausgrabungen. Dabei wurden unter anderem drei Marmorstatuen – Die Herculanerinnen – gefunden. Diese kamen zunächst in den Besitz des Prinzen Eugen in Wien, später an den sächsischen Hof des Kurfürsten Friedrich August II., wo dessen Tochter Maria Amalia Christina Gefallen an ihnen fand. Als sie nach Neapel verheiratet wurde, bat sie ihren Mann um die Wiederaufnahme der Ausgrabungen. Am 6. April 1748 wurden die Grabungen schließlich vom spanischen Ingenieuroffizier Oberst Rocque Joaquín de Alcubierre, der schon 1738 in Herculaneum nach Schätzen gegraben und bereits an den ersten Ausgrabungen Fürst d’Elboeufs in Pompeji teilgenommen hatte, mit Genehmigung des neapolitanischen Königshauses offiziell begonnen. Zunächst hatten die Ausgrabungen jedoch nur das Ziel, besondere Schaustücke und Wertgegenstände zu bergen. Alcubierre hatte bei seinen Grabungen nur wenig Erfolg und wandte sich 1750 wieder Herculaneum zu. Jedoch stellte er fest, dass er wohl eine größere Siedlung entdeckt haben musste. Da er sie für Stabiae hielt, nannte er das entdeckte Theater Teatro Stabina. Vier Jahre später wurden die Ausgrabungen wieder aufgenommen, jetzt unter der Aufsicht der Akademie von Herculaneum. Die Objekte, nach denen man suchte, waren in erster Linie Statuen, Schmuck und Edelmetalle sowie in besonderem Maße Wandmalereien, die herausgelöst und nach Portici in ein extra errichtetes Museum gebracht wurden.
Ausgrabungen am Isis-Tempel Im Jahre 1763 fand man ein Schild mit der Inschrift respublica Pompeianorum. Damit war die Stadt ohne Zweifel als Pompeji identifiziert. Seit 1763 konnte man das Grabungsgebiet auch besuchen. Zu den ersten Schaustücken gehörten das Theater, der Isistempel, das Herculaner Tor und die Diomedesvilla vor der Stadt. Die neapolitanischen Könige Karl III. und Ferdinand IV. beanspruchten das exklusive Vorrecht auf die gefundenen Schätze. So war es Besuchern verboten, die Ruinen zu zeichnen. Noch schlimmer für die spätere Forschung war, dass beide die Zerstörung von Wandmalereien anordneten, nur damit sich niemand ihrer bemächtigen konnte. Erst der öffentliche Protest Johann Joachim Winckelmanns zwang das Königshaus, von dieser Praxis abzusehen. Nicht verhindert werden konnte, dass ausgewählte Stücke an andere europäische Königshäuser verschenkt wurden. Unter der europäischen Elite kursierte eine Serie von Prachtbänden, die das Stichwerk Antichità di Ercolano enthielten. Dank dieser Bücher weiß man heute immerhin, welche Kunstschätze zu jener Zeit verloren gingen.

ImageChronologie der Ausgrabungen in Pompeji

ImageAusgrabungen am Isis-Tempel

Durch den Einfluss der Werke Winckelmanns und ein dadurch ausgelöstes geändertes Bewusstsein in der bürgerlichen Gesellschaft war die Auseinandersetzung mit den Hinterlassenschaften der Römer nun eine Auseinandersetzung mit der eigenen, europäischen Kultur. Diese Veränderung setzte nach 1760 ein. Von nun an wurde die Antike zu einer Art Ideal erhoben. Man stellte sich die Antike als einzige Ansammlung von Prachtbauten vor. Da die Befunde Pompejis dieser Vorstellung meist nicht gerecht wurden und der Bedarf des königlichen Museums gedeckt war, schlief das Interesse an weiteren Ausgrabungen in Pompeji vorerst ein, die Ausgrabungen gingen nur langsam voran. Nach dem Tode Alcubierres 1780 wurde Francesco La Vega neuer Grabungsleiter. Prominente Besucher Pompejis in dieser Frühzeit der Ausgrabungen waren unter anderem Johann Wolfgang Goethe („Es ist viel Unheil in der Welt geschehen, aber wenig, das der Nachwelt so viel Freude gemacht hätte“)[6] und Wolfgang Amadeus Mozart.
Einen großen Fortschritt bei der Erforschung gab es, als die Franzosen Neapel 1799 besetzten und 1806 bis 1815 die Herrschaft über Italien inne hatten. Die Leitung der Ausgrabungen lag nun in französischer Hand und ging planmäßiger vonstatten. Als Erstes wurde das Land, auf dem Pompeji liegt, enteignet. Zeitweise wurden in dieser Zeit bei den Grabungen bis zu 700 Arbeiter eingesetzt. Teile des Forums wurden ergraben, ebenso die von Norden kommende Hauptstraße Via Mercurio und die sich anschließende zum Forum führende Via del Foro. Somit wurden die schon ergrabenen Bereiche im Norden und Süden miteinander verbunden. Auch in West-Ost-Richtung wurden Teile der Via dell'Abbondanza freigelegt. Die geplante komplette Ausgrabung der Stadtmauer, die einen Gang durch die Stadt ermöglichen sollte, konnte bis zum Abzug der Franzosen 1815 nicht realisiert werden. Dennoch konnte nun erstmals ein Eindruck von der Größe und dem Erscheinungsbild der antiken Kleinstadt gewonnen werden. In den folgenden Jahren mussten die Ausgräber andauernd mit Geldmangel kämpfen. Die Grabungen schritten wieder nur langsam voran, trotzdem konnte man bedeutende Funde verzeichnen. So fand man die Häuser des Fauns, des Meleagers, des tragischen Dichters und der Dioskuren.

Giuseppe Fiorelli und der Beginn der wissenschaftlichen Erforschung

Mit der Ernennung Giuseppe Fiorellis zum Soprintendente im Jahre 1863 begann eine neue Epoche in der Erforschung der Stadt. Die folgenden zwölf Jahre unter seiner Leitung sollten prägend werden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machten die Grabungstechniken große Fortschritte. Die Arbeit wurde immer wissenschaftlicher und stetig verbessert. So wurden etwa Gipsabgüsse der Toten angefertigt. Dabei wurden, wenn die Ausgräber Hohlräume entdeckten, die die Leichen im erhärteten Gestein hinterlassen hatten, jene vorsichtig mit Gips ausgefüllt. Nach dem Erstarren konnte man die Toten als Gipsmodelle erkennen. Ihr Ausdruck reicht vom offensichtlichen Todeskampf bis hin zu einem friedlichen Eindruck des Einschlafens. Im Laufe der Zeit wurden diese Methoden verfeinert, sodass man auch kleinere Hohlräume ausgoss, die von vormals organischem Material hinterlassen worden waren. Das konnten ehemalige Holzmöbel sein oder auch Wurzeln. Auch den oberen Stockwerken der Bauten schenkte man nun Beachtung, die Obergeschosse wurden zum Teil auch rekonstruiert. Häuser grub man nun von oben und nicht von der Seite kommend aus. Das führt zu eindeutigen wissenschaftlichen Befunden und verhindert das Einstürzen der Wände, was bis dahin wegen der Last des Erdreiches im Inneren der Häuser oft geschehen war. Man kümmerte sich nun auch um die Sicherung und den Erhalt der schon ausgegrabenen Teile der Stadt, die bisher meist nur notdürftig oder gar nicht rekonstruiert worden und erneut dem Verfall preisgegeben waren.

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Ausgrabung eines Hauses gegen Ende des 19. Jahrhunderts

Die Restaurierung wurde vor allem unter Fiorellis Nachfolger Michele Ruggiero ein bedeutender Bestandteil der Arbeit. Fiorelli führte auch Methoden der wissenschaftlichen Dokumentation ein. Er unterteilte die Stadt in die noch heute gültigen neun Bereiche (Regionen) und Häuserblöcke (insulae) und nummerierte die Eingänge. Fiorelli gab mit dem Giornale degli Scavi auch das erste Periodikum mit aktuellen Ausgrabungsberichten heraus. Unter Fiorellis Nachfolgern wurden die letzten Reste der bislang unausgegrabenen Flächen westlich der Via Stabiana freigelegt. Damit war der gesamte Westen der Stadt archäologisch untersucht

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Erhaltene Abdrücke von Opfern des Vulkanausbruchs

1889 untersuchten der Archäologe Friedrich von Duhn und der Architekt Louis Jacobi tiefere Schichten der Stadt und stießen auf einen dorischen Tempel aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Zwischen 1907 und 1911 fand man vor den Mauern der Stadt zwei Nekropolen aus samnitischer Zeit (5. Jahrhundert v. Chr.). Vittorio Spinazzola leitete zwischen 1911 und 1924 die Erforschung der kompletten Via dell'Abbondanza (auch Basarstraße genannt) bis zum Sarno-Tor. Spinazzolas Rekonstruktionen der Fassaden der Gebäude an dieser Straße sind in der Wissenschaft jedoch äußerst umstritten. Um die Mauerwerke, Fresken, Mosaiken, Inschriften usw. zu schützen, errichtete man auf den Mauern schon seit Ende des 19. Jahrhunderts geneigte kleine Ziegeldächer. Dabei achtete man jedoch nicht auf die ursprünglichen Raumhöhen oder gar auf Obergeschosse. Auch wurden Wasser- und Stromleitungen verlegt, zum Teil, um für die Besucher Effekte durch Springbrunnen oder Licht zu erzeugen. Auch die Bepflanzungen der Innenhöfe der Häuser zu dieser Zeit mit Lorbeerbäumen und Palmen hat mehr geschadet als genutzt und stellt die Archäologen noch heute vor Probleme. Auch bei den Mauern kann man heute kaum noch zwischen Originalteilen und neuen Mauerteilen unterscheiden. Doch das größte Problem ist mittlerweile die Baufälligkeit der Rekonstruktionen aus dieser Zeit.

Moderne Archäologie:
Von den 20er Jahren bis heute

den 1920er-Jahren wurde unter Amedeo Maiuri, der für fast 40 Jahre Ausgrabungsleiter in Pompeji war, erstmals in älteren Schichten als der von 79 n. Chr. gegraben, um auch Erkenntnisse über die Siedlungsgeschichte zu erlangen. Der Zweite Weltkrieg brachte weitere Zerstörungen, als alliierte Flugzeuge im September 1943 Pompeji bombardierten. Vor allem die damals neu ausgegrabenen Bereiche waren betroffen. Unter Maiuri fanden in den 1950er-Jahren die letzten Grabungen in großem Stil statt, die jedoch nur unzureichend wissenschaftlich dokumentiert wurden. Nach Maiuris Grabungen war auch der Bereich südlich der Via dell'Abbondanza und der Verlauf der Stadtmauer nahezu komplett freigelegt. Die Konservierung wurde jedoch sträflich vernachlässigt und stellt die heutigen Archäologen vor große Schwierigkeiten. Ausgerechnet dieser Bereich, der doch wegen seiner dichten Bebauung mit Werkstätten, Herbergen und Kneipen ein genaues Bild vom Leben der Stadt zeichnen könnte, wirkt heute – nicht zuletzt nach einem fragwürdigem Wiederaufbau in den 1980er- und 1990er-Jahren nach dem schweren Erdbeben vom 23. November 1980, das große Zerstörungen in Pompeji angerichtet hatte – leblos und steril. Auch die Ausgrabung des Gräberfeldes vor dem Noceraner Tor fällt in diese Zeit. Seitdem beschränkte man sich, abgesehen von kleineren Sondierungen oder gezielten Sondagen und Grabungen, auf die schon ausgegrabenen Gebiete. Mittlerweile sind etwa zwei Drittel der Stadt freigelegt. Weitere Ausgrabungen im großen Stil sind derzeit nicht absehbar. Heute versuchen die Archäologen zu rekonstruieren, zu dokumentieren und vor allem den immer schneller voranschreitenden Verfall aufzuhalten. Pompeji wird auch mehr und mehr zu einem internationalen Forschungsprojekt. Beispielsweise forscht das Deutsche Archäologische Institut seit 1997 unter der Leitung von Jens-Arne Dickmann an der Casa dei Postumii.
Die Funde aus Pompeji sind seit 1787 im Museo Archeologico Nazionale in Neapel, neuere Funde auch vor Ort im Antiquarium zu sehen.
Grabungsleiter und Direktoren der historischen Stätte von Pompeji [Bearbeiten] 1748–1780 Rocque Joaquín de Alcubierre bis 1764 Karl Weber als verantwortlicher Assistent

1764/1778–1797 Francesco La Vega
1799–1804 Christoph Saliceti
1804–1806 Pietro La Vega
1807–1838 Michele Arditi für Pompeji war zeitweise Antonio Bonnucci zuständig

1839–1850 Francesco Maria Avellino
1850–1863 S. Spinelli
1863–1875 Giuseppe Fiorelli
1875–1893 Michele Ruggiero
1893–1901 Giulio De Petra
1901–1905 Ettore Pais
1905–1910 Antonio Sogliano
1910–1924 Vittorio Spinazzola
1924–1961 Amedeo Maiuri
1961–1976 Alfonso de Franciscis
1976–1977 Luigi D'Amore
1977–1982 Fausto Zevi
1982–1984 Giuseppina Cerulli-Irelli
1984–1994 Baldassare Conticello
seit 1994 Pietro Giovanni Guzzo

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BeitragVerfasst am: 02.10.2010, 13:44 Antworten mit ZitatNach oben

Stadtentwicklung und Infrastruktur

Straßen, Verkehrsführung, Stadttore und Stadtmauer


Die Stadtentwicklung Pompejis ist bis heute nur ungenügend erforscht, da sich die Ausgrabungen zumeist auf den Horizont des Zeitpunktes des Unterganges im Jahr 79 n. Chr. beschränkten. Tiefere Sondierungen sind bisher nur an wenigen Stellen und bei ausgesuchten Projekten und Objekten vorgenommen worden. Somit kann man über die Entwicklung der Stadt bisher nur Teilaussagen treffen. Bei der neueren Erforschung der Stadt steht jedoch auch die Erforschung tieferer Schichten im Vordergrund.
Noch heute kann man auf dem Plan Pompejis die Keimzelle (Siedlungsnukleus) der Stadt erkennen, die auf einem Lavaplateau in exponierter Stellung errichtet wurde. Den Umriss dieser ursprünglichen Siedlung im Südwesten der Stadt erkennt man anhand der Straßenführung, die anders als beim Rest der Stadt nicht geradlinig und in Form eines Rasters angelegt wurde. Spätere große Straßen, vor allem die Via dell'Abbondanza, wurden in das Altstadtgebiet fortgeführt, doch selbst bei diesen Arbeiten konnte man die Achsen nicht ganz geradlinig erweitern.
Die systematische Anlage der Straßen außerhalb der Altstadt lässt eine geplante Erschließung des neuen Siedlungsgebietes vermuten. In der Forschung ist umstritten, wann diese Anlage erfolgte. Neuere Untersuchungen geben Hinweise darauf, dass dies schon recht früh geschehen sein muss und dass im Zuge der Anlage des Straßensystems auch schon die Stadttore und die Stadtmauer geplant wurden.
ImageHauptstraßen in Pompeji: 1. Via Marina; 2. Via dell'Abbondanza; 3. Via di Porta Nocera; 4. Via di Nola; 5. Via di Stabia; 6. Via di Mercurio; 7. Via del Foro

Bei genauer Betrachtung fällt auf, dass die Stadt Pompeji von fünf großen Straßen durchzogen war. In West-Ost-Richtung (decumanus genannt) lag im Norden eine im Westteil als Via della Fortuna, im Ostteil als Via di Nola bezeichnete Straße, die im Osten ins Nolaner Tor mündete, im Westen in eine kurz vor der Stadtmauer verlaufende kleinere Straße. Parallel zu dieser Straße verläuft im Süden vom Hafentor kommend die recht kurze Via Marina, die hinter dem Forum als Via dell'Abbondanza fast die ganze Stadt durchläuft und die Stadt durch das Sarno-Tor verlässt. In Nord-Süd-Richtung verläuft im Westteil der Stadt die Via del Foro, die, nachdem sie die Via della Fortuna gekreuzt hat, Via di Mercurio genannt wird. Nachdem sie das Forum passiert hat, wird sie leicht nach Westen versetzt als Strada delle Scuole fortgeführt und mündet nach kurzem Weg in eine kleinere Straße, die kurz vor der Stadtmauer parallel zur Mauer verläuft. Die mittlere Nord-Süd-Straße ist die Via Stabiana. Sie ist die einzige Straße, die absolut gerade von einem Tor zum anderen durch die gesamte Stadt verläuft. Im Norden endet sie am Vesuv-Tor, im Süden am Stabianer Tor. Die dritte und östlichste der drei Straßen ist die vom Noceraner Tor kommende Via di Porta Nocera. Von ihr ist vor allem der südliche Teil bis zur Via dell'Abbondanza ausgegraben. Es ist jedoch sicher, dass sie im Norden auf kein Stadttor trifft. Das einzige Stadttor, das nicht an einer der großen Straßen lag, war das Herculaner Tor, das sich in der Nordwestecke befand
Image

Blick auf das Noceraner Tor

Trotz der geplanten Anlage des größten Teiles der Stadt weichen weite Teile der Straßenführungen – vor allem im Nordwesten und Südosten – von der Ausrichtung der Nord-Süd-Achse der Stadt (Via Stabiana) ab. Im Nordwesten orientiert sich die Straßenführung an der Via di Mercurio, im Südosten am Noceraner Tor. Auch in den unmittelbar an der Altstadt angrenzenden Stadtteilen gibt es an der Altstadt orientierte Abweichungen von der Hauptachse.
Die Straßenführung legt nahe, dass Bereiche nördlich der Altstadt schon im Laufe des 6. Jahrhunderts v. Chr. angelegt und partiell bebaut wurden. Die Erweiterung des Stadtgebietes über die Via Stabiana hinaus nach Osten erfolgte wohl nicht vor dem Ende des 4. Jahrhunderts. Auch hier gibt es zwei unterschiedliche Straßenführungen. Somit kann man auch hier davon ausgehen, dass die Siedlung nach Osten in zwei Schritten erfolgte. Vor allem der zweite legt nahe, dass hier eine größere Menge Menschen gleichzeitig angesiedelt wurde. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um frühere Bewohner der von Hannibal 215 v. Chr. zerstörten Stadt Nuceria handelte.
Das schnelle Anwachsen der Stadt schon im 6. Jahrhundert v. Chr. während der ersten drei Siedlergenerationen erklärt auch die Entscheidung, eine erste, noch recht niedrige Verteidigungsmauer zu errichten. Dieses Bauwerk aus der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. wurde jedoch schon zu Beginn des 5. Jahrhunderts v. Chr. wieder abgerissen und durch einen massiven Bau aus zwei Kurtinen mit verfülltem Zwischenraum ersetzt. Unklar ist, ob die Errichtung der Mauer einer realen Bedrohung durch benachbarte Siedlungen oder im Hinterland siedelnde Stämme geschuldet war. Neueste Funde am Rande der Altstadt deuten darauf hin, dass es eventuell schon während einer frühen Besiedlungsphase eine Mauer um die Altstadt gegeben hatte. Das würde auch erklären, warum die Via dell'Abbondanza am Rande der Altstadt einen leichten Knick nach Norden macht – hier ist ein früheres Stadttor anzunehmen, durch das die Straße ursprünglich einmal geführt wurde. Jedoch sprechen die Funde für eine Errichtung der Altstadtmauer erst im 5. Jahrhundert v. Chr. Damit wäre diese jünger als der erste Mauerring. Daher kann man annehmen, dass die Altstadt ein zusätzlich befestigter Schutz- und Rückzugsort war.
Obwohl erst wenige Befunde zur vorrömischen Besiedlung vorliegen, kann man jetzt schon sagen, dass in der Zeit, in der die Samniten über die Stadt herrschten (5./4. Jahrhundert v. Chr.), so gut wie keine städtebauliche Entwicklung erkennbar ist. Als die Römer ihren Einfluss auch auf Kampanien ausweiteten und in Pompeji zu plündern versuchten, entschloss man sich in der Stadt zum Bau einer dritten Stadtmauer. Diese wurde aus Kalksteinquadern errichtet, die an besonders gefährdeten Stellen wie an der Nordseite der Stadt zusätzlich durch einen angeschütteten Erdwall verstärkt wurde. In diese Zeit fällt auch die Errichtung des Sarno-Tores und des Noceraner Tores. Also scheint dieses Gelände erst zu dieser Zeit in die Stadt eingebunden worden zu sein. Jetzt hatte Pompeji endgültig die Form, die es bis zu seinem Untergang behalten sollte. Die Stadtmauern wurden noch zweimal verstärkt, zuerst während der Bedrohung durch Hannibal und ein zweites Mal während der Auseinandersetzungen mit Rom im Bundesgenossenkrieg. Letzte Veränderung an der Mauer war die Errichtung von zwölf Türmen im Südosten, Osten und Norden. Die Türme wurden jeweils am Ende von Straßen errichtet, damit die Verteidiger schnellstmöglich zu ihnen gelangen konnten.
Es fällt auf, dass ursprünglich keine Sackgassen in der Stadt zu finden waren. Erst durch Umbauten in der Kaiserzeit wurden einige wenige vorherige Durchgangsstraßen zu Sackgassen. Damit waren auch kleinere Nebenstraßen Durchgangsstraßen und man kann davon ausgehen, dass diese zum Teil stark frequentiert wurden. So gelangte man problemlos von jedem Punkt der Stadt zur Stadtmauer, was im Verteidigungsfall von nicht geringer Bedeutung war. Die Bebauung reichte auch nur im durch die Steilwand gesicherten Westen und Südwesten (Altstadt) bis an die Mauer heran. Dadurch bildete sich ein nahezu durchgängiger Mauerring. Ein weiterer positiver Punkt dieser Planung war ein ungehinderter Verkehr in der Stadt – wo keine Sackgassen sind, gibt es weniger Rückstaus.
Anzumerken ist, dass die Straßen in erster Linie von Lasttieren und Lastträgern benutzt wurden. Für die normalen Fußgänger gab es auf den Hauptstraßen meist Fußwege. Trotz der tiefen Radspuren muss man annehmen, dass es keinen so regen Verkehr mit Fuhrwerken gab, wie man es sich vor allem früher vorgestellt hat. Die tiefen Radspuren haben sich über etwa 150 Jahre in den im Laufe des 1. Jahrhunderts v. Chr. gepflasterten Straßengrund gefressen. Ein weiterer Beleg für einen überschaubaren Wagenverkehr ist, dass man in den Seitenstraßen nur geringe Abnutzungsspuren der Straßen durch Wagenräder fand. Vermutlich wurden schwere Lastkarren schon vor der Stadt auf kleinere, zweirädrige Karren, Lasttiere und Träger umgeladen aufgrund ähnlicher Verkehrsvorschriften wie in Herculaneum. Auf dort gefundenen Gesetzestafeln (Tabulae Heracleenses) wird der Verkehr mit gezogenen Karren in die Nachtstunden verbannt. Tagsüber war es nur Zulieferern von öffentlichen Bauvorhaben erlaubt, die Straßen zu befahren. Dafür gibt es Hinweise auf einen massiven Einsatz von Lasttieren. In der ganzen Stadt finden sich hunderte in die Bordsteinkanten gebohrte, ösenartige Löcher, die dem Anleinen der Tiere und als Halterungen für Sonnendächer gedient haben dürften.
Fußwege gab es in Pompeji meist nur in den großen Hauptstraßen. In den Nebenstraßen reichte die Bebauung im Regelfall bis an die Straße, so dass sich der komplette Verkehr auf dieser abspielte. Bürgersteige waren auch keine öffentlichen Anlagen, sondern waren von den Anwohnern errichtet worden. Das merkt man daran, dass die Breite der Bürgersteige bei verschiedenen Insulae ein und derselben Straße unterschiedlich ist und dass sich die Pflasterweisen der Gehwege meist an den Grundstücksgrenzen ändern. Die Gehwege waren offenbar nicht für den Verkehr an sich gedacht, sondern zum Verweilen, zum Plausch oder zur Betrachtung der Auslagen von Läden. Sie waren eine Art „verkehrsberuhigte Zone“.
Namen für die Straßen sind nicht überliefert. Die heutigen Namen sind neuzeitliche Erfindungen, obwohl Straßennamen wie Via dell Foro („Forumsstraße“) durchaus möglich gewesen sein können. Ortsunkundige Besucher hatten sicher Probleme, sich in der Stadt zurecht zu finden. Wer zu einem bestimmten Ort wollte, musste sich durchfragen oder von einem Führer durch das Straßengewirr leiten lassen.

Wasserversorgung

Über Jahrhunderte war die Wasserversorgung der Bevölkerung Pompejis eines der größten Probleme. Frei zugänglich war Wasser nur vom Sarno oder von Quellen am Vesuv zu bekommen. Wollte man Wasser in der Stadt bekommen, musste man Zisternen anlegen oder – wegen der Lage auf einem Plateau – sehr tiefe Brunnen graben. Diese Brunnen stellten eine beachtliche technische Leistung dar. Ein an einer der höchsten Stellen gefundener Brunnen am Herculaner Tor war 35 Meter tief. Im Stadtgebiet wurden mehrere Brunnen gefunden, meist zentral an Straßenkreuzungen gelegen. Eine noch größere Anzahl gab es jedoch auf Grundstücken oder, vor allem in späterer Zeit, sogar innerhalb von Gebäuden. Es ist allerdings unklar, ob diese Brunnen nur der privaten Versorgung dienten. Nach der Errichtung des Aquädukts wurden die Brunnen aufgegeben und – zum Teil als Abfallgrube genutzt – im Laufe der Zeit verfüllt. Man vermutet, dass die meisten Gebäude vor der Erbauung des Aquädukts auch über eine Zisterne verfügten. Es ist anzunehmen, dass dieses Wasser jedoch in erster Linie als Nutzwasser – etwa zum Waschen, zur Bewässerung der Gärten oder zum Tränken der Nutztiere – verwendet wurde. Es gab bisher jedoch keine genaueren Untersuchungen der Zisternen, da diese zumeist sehr instabil sind und das Risiko für die Archäologen zu groß ist, bei der Untersuchung verschüttet zu werden. Bei der Untersuchung der Insula Arriana Polliana fanden die Ausgräber eine riesige Zisterne, die über die gesamte Breite des Gebäudes reichte (30 Meter). In vier der sechs Läden (tabernae) die sich dort befanden, fand man Löcher, durch die man Wasser aus der Zisterne schöpfen konnte.
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Öffentlicher Laufbrunnen

Im 1. Jahrhundert v. Chr. wurde ein Aquädukt errichtet, der die Versorgung der Stadt mit Frischwasser stark verbesserte. Östlich des Vesuvs zweigte man eine Leitung von der schon bestehenden Serino-Leitung ab. Der Pompejaner Aquädukt, der bis nach Pompeji überwiegend unterirdisch verlief, traf an der am höchsten gelegenen Stelle beim Vesuv-Tor auf die Stadt. Dort wurde ein Verteilergebäude, das so genannte Wasserkastell, errichtet, in dem das Wasser durch zwei große Bleisiebe grob gereinigt und auf drei Zuläufe verteilt wurde. Von hier floss es in Bleirohren, die bis zu 30 Zentimeter Durchmesser haben konnten, in die Stadt. Der erste Zulauf speiste die öffentliche Wasserversorgung, der zweite die Thermen und der dritte die privaten Anschlüsse in den Häusern. Die beiden letzteren Anschlüsse konnten bei Wasserknappheit gesperrt werden.
Das Wasser wurde über ein Netz von Hochbehältern verteilt (bisher 13 bekannt), die bis zu sechs Meter hoch sein konnten und wie die Rohre aus Blei gefertigt waren. Ihre wichtigste Funktion war der Druckausgleich. Wasserschäden scheint es aufgrund des hohen Wasserdruckes bei den Bleirohren des Öfteren gegeben zu haben, was diverse Reparaturspuren an den Leitungen belegen.
Trotz vieler Anschlüsse in Privathaushalten waren öffentliche Laufbrunnen am wichtigsten für die Versorgung der Bevölkerung mit Wasser. Meist waren diese Brunnen an Kreuzungen positioniert. Bisher wurden 42 Brunnen lokalisiert, was eine recht große Dichte in der Wasserversorgung anzeigt.
So sehr man sich in der Stadt um die Versorgung mit Wasser mühte, sowenig kümmerte man sich um seine Entsorgung. Da es in der Stadt ein natürliches Gefälle gab, leitete man die Abwässer einfach über die Straßen ab.

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BeitragVerfasst am: 02.10.2010, 13:53 Antworten mit ZitatNach oben

Öffentliche Bauten

Forum

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Blick über das Forum

Das Forum befindet sich inmitten der Altstadt Pompejis. Seine Bauten stammen aus verschiedenen Zeiten – das Ensemble vermittelt deshalb keinen geschlossenen, homogenen Eindruck. Die Freifläche des Forums ist eine rechteckige Anlage. Vor allem in der vorrömischen Zeit wird dieser Platz als Markt gedient haben. Zunächst hatte das Forum auch eine wichtige Funktion als Versammlungsort, jedoch ist anzunehmen, dass seit dem Bau des ersten Theaters die Volksversammlungen dort abgehalten wurden. Außer an der Nordseite ist die Anlage von einer zweistöckigen Portikus umgeben, mit dessen Errichtung etwa um das Jahr 100 v. Chr. begonnen wurde. Eine Inschrift in lateinischer Sprache – aber noch mit der Erwähnung des aus oskischer Zeit stammenden und in der römischen Zeit nicht mehr gebräuchlichen Quästorenamtes – legt nahe, dass der Bau kurz nach dem Bundesgenossenkrieg, aber noch vor der Errichtung der römischen Kolonie, also zwischen 89 und 80 v. Chr., fertig gestellt wurde. Die Bebauung an der Westseite erfolgte wahrscheinlich auf dem Grund früherer privater Wohnhäuser.

Kapitol

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Älterer Plan des Forums von August Mau

Einziges Gebäude auf dem Platz war das am Nordende gelegene capitolium (Kapitol), der Tempel für die Kapitolinische Trias. Zunächst war dieser nur dem obersten römischen Gott Jupiter geweiht. Errichtet wurde er in der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr., als auch der Apollontempel (s. u.) renoviert wurde. Zu dieser Zeit löste der römische Jupiter den griechischen Apoll als höchsten Stadtgott ab. Damit lehnte sich Pompeji schon sehr früh an Rom an. Die Größe des Tempels übertraf die des Apollotempels; seine exponierte Lage bezeugt die herausragende Stellung. Auch die Bauweise orientierte sich an römischen Vorbildern, nicht an griechischen wie beim Apollotempel. Die Ausstattung scheint besonders reich gewesen zu sein, selbst in der cella standen Statuen. Zu Beginn des 1. Jahrhunderts v. Chr. weitete man die Funktion des Tempels zur Verehrung von Jupiter, Juno und Minerva aus.

Macellum

In der Nordostecke befand sich das Macellum von Pompeji. Im Zuge der Umbauten des Forums im 2. Jahrhundert v. Chr. hatte das Forum seine Funktion verändert. Es war nun nicht mehr, wie vormals üblich, der zentrale Marktplatz der Stadt. Diese Aufgaben übernahmen andere Plätze. Einer dieser Orte war das Macellum. Am Beginn des 1. Jahrhunderts wurde der Bau von Grund auf erneuert, während des Erdbebens von 62 n. Chr. jedoch stark zerstört. Im Zentrum der Halle befand sich eine Tholos, an der Kopfseite (Osten) drei Räume, im mittleren konnte ein Platz für den Kaiserkult lokalisiert werden. Auch im Vorgängerbau gab es vermutlich schon einen Kultbereich für den Gott der Händler, Merkur. Im Macellum wurde in erster Linie mit Lebensmitteln, vor allem mit Fleisch und Fisch gehandelt. Es wurden zahlreiche Reste von Knochen und Gräten, aber auch von Stallungen gefunden. In den tabernae an Nord- und Westseite fand man Reste von Obst, Getreide und Backwaren. Nach dem Untergang Pompejis wurden aus dem Kultraum in der Mitte der Ostseite durch einen Mauerdurchbruch ein Teil des dortigen Statuenbestandes geborgen.
Die Fläche südlich des Macellums war lange Zeit nicht mit öffentlichen Gebäuden, sondern mit Privathäusern bebaut. Dies war wohl vor allem deshalb unproblematisch, weil die zum Forum hin gelegene Häuserfront aus (in die Wohnhäuser integrierten) tabernae bestand. Somit konnten es sich die reichen Familien, denen die Grundstücke in dieser besten Lage gehörten, noch bis in die frühe Kaiserzeit leisten, hier zu wohnen. Erst in dieser Zeit wurden die Privathäuser zugunsten repräsentativer öffentlicher Gebäude aufgegeben. Neben dem Macellum wurde ein kleineres Heiligtum zu Ehren der Kaiserfamilie errichtet. Dem schloss sich ein kleiner Tempel des Genius Augusti an, was zumindest eine fragmentierte Inschrift nahe legt. Gestiftet wurde das Heiligtum von der Priesterin Mamia.
Gebäude der Eumachia [Bearbeiten] Das größte und mit der prächtigsten Fassade verzierte Bauwerk am Forum war das Gebäude der Eumachia. Es wurde nach der Stifterin des Gebäudes, der hochrangigen Priesterin Eumachia, benannt. Auf zwei Inschriften weist sie sich und ihren Sohn als Stifter des Gebäudes aus, anders als üblich wird jedoch nicht gesagt, wofür der Bau gedacht war. Es ist anzunehmen, dass das bebaute Grundstück schon vorher den Eumachiern, einer alteingesessenen, reichen pompejanischen Familie gehört hatte, die hier am Forum ihr Haus hatten. Geweiht war das Gebäude der Göttin Concordia. Eine gefundene Statue stellte die symbolische Concordia Augusta dar. Aufgrund der Stiftung einer Statue der Eumachia durch die Wollfabrikanten der Stadt nahm man, wohl fälschlicherweise, an, dass das Gebäude als Wollmarkt diente. In neuerer Zeit wurden ein Sklavenmarkt oder ein Ort zur Versteigerung von Waren als Verwendung des Gebäudes angenommen. Am wahrscheinlichsten ist jedoch seine Nutzung als Festsaal für Feierlichkeiten zur Ehrung der Concordia.
Wahllokal und Amtslokale [Bearbeiten] Das Wahllokal wurde in der ersten Zeit als römische Kolonie errichtet. Über die Funktion des kleinen Baues kann man nur mutmaßen. Früher wurde es als comitium bezeichnet, jedoch war das Gebäude als Versammlungsort für die Volksversammlung zu klein. Darum nehmen neuere Deutungen an, dass hier womöglich die Stimmen von Entscheidungen der Volksversammlung ausgezählt wurden.
An der Südseite des Forums befanden sich drei Amtslokale. Der östliche und der mittlere Bau stammen aus vorrömischer Zeit und scheinen gleichzeitig mit der Basilika (siehe unten) oder etwas später errichtet worden zu sein. Der westliche Bau wurde wohl im Zuge der Erhebung Pompejis zur römischen Kolonie errichtet. Möglicherweise waren es drei Gebäude, weil die Verwaltung einer Stadt aus drei Säulen bestand: Quästoren (Finanzverwaltung), Ädile (Bauwesen, Öffentliche Ordnung) und die duumviri iure dicundo, die beiden höchsten rechtsprechenden Beamten der Stadt. Auch als Aufbewahrungsort für Rechtsurkunden und Verträge sowie als Sitzungssaal für den Stadtrat könnten die Gebäude genutzt worden sein.

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BeitragVerfasst am: 02.10.2010, 14:20 Antworten mit ZitatNach oben

Basilika

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Blick vom Innenraum auf das Podium der Basilika

Tempel des Apollon

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Reste des Apollon-Tempel. Im Zentrum der Altar

Der Tempel des Apollon war das älteste Gebäude am Forum. Es wurden Spuren für einen Vorgängerbau aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. gefunden. Der überlieferte Tempelbau stammt jedoch aus der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. und ist ganz offensichtlich nach stadtrömischen Vorbildern erbaut worden. Das ist insoweit interessant, dass es für Pompeji, das zu diesem Zeitpunkt nur lose mit Rom verbunden war, keine Notwendigkeit gab, sich an Rom zu orientieren. Die Bauweise des Tempels zeugt von den griechischen Vorbildern Roms. Ursprünglich war der Apollotempel ein Symbol für den Einfluss der Etrusker auf die Stadt, da Apollon einer ihrer wichtigsten Götter war. So war der Tempel auch zunächst das Hauptheiligtum der Stadt. Doch auch nach der Errichtung weiterer Tempel blieb der Apollonkult sehr beliebt. Man fand hier diverse private Weihgaben, aber auch Bronzestatuen von Apollon und Diana sowie Hermen von Merkur und wohl seiner Mutter Maia. Vor dem Tempel wurde in der frühen Kaiserzeit eine Sonnenuhr errichtet.
Markthalle [Bearbeiten] Im Nordwesten gab es neben dem Macellum eine zweite Markthalle. Möglicherweise wurde hier mit Lebensmitteln und anderen Waren des täglichen Gebrauchs gehandelt. Für die Forschung besonders wichtig war der Fund eines Eichtisches für Hohlmaße aus Eichenholz. Dieser stammt noch aus vorrömischer Zeit, da man an ihm oskische Beschriftungen fand. Aus augusteischer Zeit stammen weitere Beschriftungen, die augusteische Reformen im Messwesen umsetzten. Eine weitere Besonderheit waren die sich ganz im Norden der Halle befindenden Gemeinschaftslatrinen – die einzigen außerhalb der Thermen, die bisher in Pompeji gefunden wurden.
Statuen und Ehrenbögen [Bearbeiten] An allen Seiten inner- und außerhalb der Portikus fanden sich Basen von mindestens 25 Statuen. Es ist heute jedoch nicht mehr möglich zu rekonstruieren, welche Statuen hier standen. Nach der Verschüttung wurden diese entweder gezielt oder von Plünderern mitsamt den Sockeln und Verkleidungen geborgen. Die Maße der Sockel lassen allerdings einige Rückschlüsse zu. Auf dem Forum standen offenbar ausschließlich lebensgroße Reiterstandbilder, während innerhalb der Portikus die Fußstatuen vor den Säulen platziert wurden.
Der beste Platz war an der Südseite des Forums. Hier wurden vormals zehn Reiterstandbilder durch drei sehr große Statuenensembles ersetzt. In der Mitte stand nach Inschriften zu urteilen ein 12 v. Chr. gestiftetes Reiterstandbild des Augustus. Die beiden anderen Basen lassen darauf schließen, dass hier zwei Quadrigen standen. Solche Quadrigen stellten im Allgemeinen den Kaiser als Triumphator dar. Eine weitere große, vermutlich den Kaiser darstellende Reiterstatue stand in der Mitte des Forums. Im späten 1. Jahrhundert v. Chr. gab es bereits kaum noch Platz für weitere Statuen. An den Längsseiten standen Abbilder der Honoratioren der Stadt, auf den engeren Stirnseiten die der Kaiserfamilie.
der Südseite des Capitoliums wurden zu beiden Seiten Ehrenbögen errichtet. Ein Dritter kam in tiberischer Zeit an der nördlichen Ostseite hinzu. Der südliche Bogen auf der Ostseite wurde später wieder abgetragen, wahrscheinlich infolge des Erdbebens von 62 n. Chr. Die Bögen dienten der Kaiserpropaganda. Vom tiberischen Bogen weiß man aus einer Inschrift, dass hier zwar kein Bild des Kaisers, wohl aber das eines Angehörigen des Kaiserhauses stand.

Tempel und Kultbauten
Forum Triangolare: Hercules-Minerva-Tempel und Heroon

Durch die Führung der Straßen an der früheren Altstadtmauer, dem Steilrand im Süden und den späteren weiteren Bauten im Westen entstand außerhalb der Altstadt von Pompeji und direkt am Stadtrand im Südwesten eine dreieckige Anlage, die modern als Forum Triangolare bezeichnet wird. Ein Großteil der Fläche war unbebaut, es gab hier nur den Hercules-Minerva-Tempel, das Heroon sowie ein paar kleinere Bauten.
Der Hercules-Minerva-Tempel ist nach dem Apollon-Tempel der zweitälteste Tempel der Stadt. An seiner Stelle stand in der Frühzeit ein dorischer Tempel. Durch die exponierte Stellung am Steilrand war der Tempel auch schon vom Meer aus gut zu erkennen. Er hatte, was eine Seltenheit in der Antike war, eine ungerade Zahl von Säulen (sieben) an der Fassade. Dies wird der Nutzung des Tempels für zwei Götter zugeschrieben. In seiner cella gab es zwei separate Basen für Kultbilder. Aufgrund der Darstellungen auf Ziegeln am Dach geht man davon aus, dass diese beiden Götter Minerva und Hercules waren. Sie werden um 300 v. Chr. datiert. Daraus schließt man, dass das Gebäude zu dieser Zeit umfassend renoviert wurde. Die Vermutung, dass eine der Gottheiten Minerva ist, wurde durch einen späteren Fund der oskischen Fassadenaufschrift dipinto bestätigt.
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Plan von Pompeji mit Darstellung der Verteilung der öffentlichen Kultbauten – 1. Venus-Tempel; 2. Apollon-Tempel; 3. Jupiter-Tempel; 4. Macellum; 5. Laren-Heiligtum; 6. Tempel des Genius Augusti; 7. Gebäude der Eumachia; 8. Forum Triangolare; 9. Isis-Tempel; 10. Aesculap- und Salus-Tempel; 11. Fortuna-Tempel

Im späten 2. Jahrhundert v. Chr. wurde ein kleiner Tiefenbrunnen angelegt, über dem ein kleiner Rundtempel (Monopteros) errichtet wurde. Eine oskische Inschrift weist den Tempel als Stiftung eines meddix (eine Art Bürgermeister der Stadt) aus. Offenbar wurden der Brunnen als Orakelstätte verwendet. Zur selben Zeit wurden auch zwei Säulenreihen errichtet, eine im Westen, eine im Osten und ein monumentales Eingangstor im Norden.
Zwischen dem Hercules-Minerva-Tempel und dem Monopteros wurde in der Frühzeit der Kolonie (nach 80 v. Chr.) ein Heroon erbaut, ein vierseitig ummauerter Bezirk, in dem Hercules als Heros verehrt wurde.
Weitere kleine Ergänzungen kamen in der Kaiserzeit hinzu. Das waren eine halbrunde Sitzbank mit Blick auf das Meer, eine Sonnenuhr und eine Statue des Marcellus, die der Stadtrat auf einem hohen Sockel errichten ließ.

Isis- und Aeskulap-Salus-Tempel

Der Isis-Kult wurde erst im Laufe des 2. Jahrhunderts v. Chr. in Pompeji eingeführt. Verehrt wurde Isis wohl vor allem von der einfachen Stadtbevölkerung. Während bei anderen Tempeln reiche, meist alteingesessene Familien als Stifter auftraten, belegen Inschriften, dass die Ausstattung des Isis-Tempels vor allem von Personen einfacher Herkunft finanziert wurde. Die Popularität des Isiskultes zeigt auch, dass der Isis-Tempel nach dem Erdbeben von 62 n. Chr. als eines der wenigen öffentlichen Gebäude sehr schnell wieder aufgebaut wurde. Als der Tempel in den 1760er Jahren als eines der ersten Gebäude Pompejis ausgegraben wurde, war die Öffentlichkeit überrascht angesichts des Fundes eines orientalischen Kultes in Italien. Dadurch wurde eine Ägypten-Faszination in Europa ausgelöst, die man selbst noch in Edward Bulwer-Lyttons 1837 veröffentlichen Roman über den Untergang Pompejis erkennen konnte, da dieser dem Isiskult und seinem Priester einen großen Platz in der Geschichte einräumte.
Der Isis-Tempel – auch Iseum genannt – wurde gegen Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. an exponierter Stelle, in direkter Nachbarschaft zum Theater, als eine der ersten Anlagen dieser Art in Italien errichtet. Obwohl der Kult aus der ägyptischen Mythologie stammte, war die Ausstattung römisch – ein weiteres Zeugnis einer sehr frühen Anlehnung an Rom. Nach Umbauten erhielt der kleine Tempel mehrere Nebenräume. Man stellte nicht nur ein Kultbild der Isis, sondern auch des Serapis, des Harpokrates und des Anubis auf. Entlang der Portikusrückwände fanden sich Statuen und Hermen von Isis, Venus, Bacchus und des Schauspielers Norbanus Sorex. Über einen Zugang im Südosten des Tempels gelangte man unter die Erde, wo Nilwasser für Reinigungshandlungen aufbewahrt wurde.
Östlich des Isis-Tempels befand sich ein weiterer kleiner Tempel fremdländischer Götter. Zunächst glaubte man, einen Tempel für Zeus Melichios gefunden zu haben. Nach einem Statuenfund in der cella muss man jedoch davon ausgehen, dass es sich um einen Tempel für Äskulap und Salus handelt. Der Tempel wurde im frühen ersten Jahrhundert errichtet, möglicherweise zur Zeit der Koloniegründung und auf Initiative der Neusiedler. Da es offenbar problematisch war, einen Platz für den Bau zu finden, wurde es zwischen ältere Häuser gezwängt. Zahlreiche Altäre und Kultbilder zeigen, dass der Kult sehr beliebt war. Ihre bescheidene Ausführung zeigt jedoch auch, dass der Äskulap-Kult wohl eher bei den ärmeren Schichten der Stadt verbreitet war.

Venus-Tempel

Anders als bei den Isis- und Aeskulap-Salus-Tempeln gab es beim Venus-Tempel einen großen Protektor. Seinen Bau setzt man um 80 v. Chr., zur Zeit der Gründung der römischen Kolonie, an. Errichtet wurde der große Tempel in der Altstadt, zwischen Basilika und Hafen-Tor und im Süden an der Steilwand ausgerichtet. Vom ersten Bau ist heute nicht mehr viel erhalten, da der Tempel in der Kaiserzeit stark umgebaut und beim Erdbeben schwer beschädigt wurde. Beim Untergang der Stadt wurde er immer noch renoviert, deshalb fehlt die Marmorverkleidung.
Die Errichtung eines Venus-Tempels zur Zeit der Koloniegründung ist bezeichnend, war die Venus doch die persönliche Schutzgöttin des Eroberers Sulla, was sich nicht nur in der Errichtung des Tempels, sondern auch im neuen Namen der Kolonie, Colonia Cornelia Veneria Pompeianorum, widerspiegelte. Venus wurde somit zur neuen Schutzpatronin der Stadt. Allerdings ging die Verehrung auch auf eine frühere Verehrung der Venus Fisica, der Schutzgöttin der Verträge zurück. Damit ist das unübliche Kultbild der Venus in langer Tunika, mit Mantel, Diadem und Szepter zu erklären.

Fortuna-Tempel

Etwas nördlich des Forums wurde an der prestigeträchtigen Kreuzung der zum Forum führenden Via di Mercurio und der Via della Fortuna, etwa zur selben Zeit wie die dem Kaiserkult dienenden Bauwerke des Forums, der Fortuna-Tempel errichtet. Gestiftet wurde dieser Tempel der Fortuna Augusta von Marcus Tullius. Er wurde im Stil alter italienischer Tempel auf einem hohen Podest errichtet. Somit dominierte der Bau die umliegenden Gebäude.
Vor allem Sklaven und Freigelassene praktizierten den Fortuna-Kult. Auch Merkur wurde hier – wie schon im Macellum – verehrt. Oberstes Anliegen des Tempels war es wohl, die unteren Schichten an den Kaiserkult zu führen, sie so einzubinden und damit die concordia (Einigkeit) zu stärken.







(Quell:Wikipedia)

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BeitragVerfasst am: 03.10.2010, 17:03 Antworten mit ZitatNach oben

Also da muss ich doch glatt mal sagen, dass du dir hierfür echt mühe gegeben hast. Find ich echt klasse.

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